Gießen wirkt banal, ist aber einer der häufigsten Gründe, warum Pflanzen in der Growbox schwächeln. Zu viel Wasser erstickt die Wurzeln, zu wenig stoppt das Wachstum, und wer nie Ablaufwasser prüft, merkt Salzanreicherungen erst an verbrannten Blattspitzen. Hier erfährst du, wie du den richtigen Rhythmus findest, was es mit dem Drain auf sich hat und welche Fehler du vermeiden solltest.
Das Grundprinzip: nass – abtrocknen – nass #
Wurzeln brauchen Wasser und Sauerstoff. Nach dem Gießen sind die Poren im Substrat mit Wasser gefüllt. Während das Substrat abtrocknet, zieht Luft nach, und die Wurzeln können atmen. Genau dieser Wechsel regt sie an, sich im ganzen Topf auszubreiten.
Daraus folgt die wichtigste Regel: Gieße nicht nach Kalender, sondern nach Bedarf. Der Wasserverbrauch hängt von Pflanzengröße, Topfgröße, Temperatur, Luftfeuchte und Lichtintensität ab und ändert sich im Laufe des Grows ständig.
Wann gießen? So erkennst du den Zeitpunkt #
- Topfgewicht: Die zuverlässigste Methode. Heb den Topf direkt nach dem Gießen einmal an, um das Gewicht im nassen Zustand kennenzulernen. Gegossen wird, wenn er deutlich leichter geworden ist.
- Fingerprobe: In Erde gilt: Sind die obersten zwei bis drei Zentimeter trocken, ist meist Zeit zum Gießen.
- Pflanzenbild: Leicht hängende Blätter können Durst anzeigen. Vorsicht: Auch überwässerte Pflanzen lassen die Blätter hängen – dann aber prall und dunkel.
- Messgerät: Ein Bodenfeuchtemesser liefert zusätzliche Orientierung, ersetzt aber das Gefühl für das Topfgewicht nicht.
Gießrhythmus nach Substrat und Phase #
| Situation | Erde | Coco |
|---|---|---|
| Sämling/Steckling | kleine Mengen rund um den Stängel, alle 2–3 Tage | kleine Mengen, täglich bis alle 2 Tage |
| Wachstumsphase | alle 2–4 Tage, wenn der Topf leicht ist | täglich |
| Blüte, große Pflanze | alle 1–3 Tage | 1–3 Gaben pro Tag |
Die Werte sind Richtwerte. Eine kleine Pflanze in einem großen Topf trocknet deutlich langsamer ab als eine große in einem kleinen. Genau deshalb startet man Sämlinge oft in kleineren Töpfen und topft später um.
Wie viel gießen? #
Als Faustregel gießt du so lange, bis das gesamte Substrat durchfeuchtet ist und unten etwas Wasser herausläuft. Grob entspricht das oft einem Viertel bis einem Drittel des Topfvolumens, bei einem 11-Liter-Topf also etwa 2,5 bis 3,5 Liter. Langsam und in mehreren Durchgängen gießen hilft, damit das Wasser nicht an einer Stelle durchschießt, sondern sich gleichmäßig verteilt.
Was ist Drain? #
Drain (auch Runoff oder Ablauf) ist das Wasser, das nach dem Gießen unten aus dem Topf läuft. Es erfüllt zwei Aufgaben:
Es zeigt, dass der Topf vollständig durchfeuchtet ist.
Ohne Ablauf bleiben oft trockene Zonen im unteren Topfbereich.
Es spült überschüssige Salze aus.
Pflanzen nehmen Wasser und Nährstoffe nicht im gleichen Verhältnis auf. Der Rest bleibt im Substrat. Ein wenig Ablauf verhindert, dass sich diese Reste über Wochen anreichern.
Als Richtwert gelten 10 bis 20 % Drain bezogen auf die Gießmenge, vor allem in Coco und bei mineralischer Düngung. In organisch vorgedüngter Erde reicht oft weniger, da du sonst Nährstoffe auswäschst. Mehr zum Begriff steht im Lexikon unter Was bedeutet Runoff beim Gießen?.
Steht der Topf dauerhaft im Ablaufwasser, saugt das Substrat es wieder auf. Die Wurzeln im unteren Bereich bekommen dann zu wenig Luft. Untersetzer nach 15 bis 30 Minuten leeren.
EC im Drain: Was der Ablauf verrät #
Miss nicht nur deine Nährlösung, sondern gelegentlich auch den EC im Drain. Der Vergleich zeigt, was im Topf passiert:
| Drain-EC im Vergleich zur Nährlösung | Bedeutung | Reaktion |
|---|---|---|
| etwa gleich oder leicht höher (bis ca. +0,3 mS/cm) | ausgeglichen | weiter wie bisher |
| deutlich höher | Salze reichern sich an, Pflanze nimmt mehr Wasser als Nährstoffe auf | EC der Nährlösung senken, mehr Drain |
| deutlich niedriger | Pflanze zieht viele Nährstoffe | EC vorsichtig erhöhen |
Wichtig: Miss den Drain frisch, nicht aus einem Untersetzer, in dem das Wasser schon Stunden steht. Wie du den Drain gezielt für die Dosierung nutzt, erklärt der Beitrag Dünger richtig dosieren mit der EC-Drain-Logik.
Typische Gießfehler #
- Zu oft kleine Schlucke in Erde: Das Substrat trocknet nie richtig ab, die Wurzeln bleiben oben, Trauermücken fühlen sich wohl.
- Überwässern aus Fürsorge: Die häufigste Ursache für hängende, dunkle Blätter bei Einsteigern. Ausführlich dazu: Überwässerung bei Cannabis erkennen und korrigieren.
- Coco austrocknen lassen: Trockenes Coco nimmt Wasser schlecht wieder auf, die Salzkonzentration steigt.
- Kaltes Wasser: Gießwasser sollte etwa Raumtemperatur haben, als Richtwert 18 bis 22 °C. Sehr kaltes Wasser stresst die Wurzeln.
- pH nicht prüfen: In Erde als Richtwert 6,2 bis 6,8, in Coco 5,8 bis 6,2.
- Nur am Stamm gießen: Große Pflanzen gleichmäßig über die ganze Topffläche gießen, damit sich die Wurzeln überall entwickeln.
- Kein Drain bei mineralischer Düngung: Salze sammeln sich, die Blattspitzen verbrennen.
Gießen während der Abwesenheit #
Wer ein paar Tage weg ist, kann einfache Tropfsysteme, Tonkegel-Systeme oder eine zeitgesteuerte Pumpe nutzen. Teste jedes System mindestens eine Woche vorher, damit du Durchfluss und Menge kennst und nicht bei der Rückkehr ein Problem vorfindest.
Häufige Fragen #
Wie oft muss ich Cannabis gießen?
Es gibt keinen festen Takt. In Erde sind es meist alle zwei bis vier Tage, in Coco täglich oder öfter. Entscheidend ist, dass der Topf spürbar leichter geworden ist, bevor du wieder gießt.
Was ist Drain beim Gießen?
Drain ist das Wasser, das nach dem Gießen unten aus dem Topf läuft. Es zeigt, dass der Topf vollständig durchfeuchtet ist, und spült überschüssige Salze aus. Als Richtwert gelten 10 bis 20 % der Gießmenge.
Muss ich den EC im Drain messen?
In Erde mit organischer Düngung ist das optional. In Coco und bei mineralischer Düngung lohnt es sich, den Drain alle ein bis zwei Wochen zu messen. So erkennst du Salzanreicherungen, bevor die Pflanze Symptome zeigt.
Soll ich morgens oder abends gießen?
Am besten kurz nach Beginn der Lichtphase. Dann nutzt die Pflanze das Wasser aktiv, und die Oberfläche kann abtrocknen. Gießen kurz vor Licht aus lässt das Substrat nachts lange nass.


