Samen keimen im Winter genauso zuverlässig wie im Sommer – wenn die Bedingungen stimmen. Das Problem liegt in der Umgebung: Fensterbänke sind kalt, Heizungsluft ist trocken, und das Tageslicht reicht für Sämlinge nicht aus. Wer diese drei Punkte gezielt ausgleicht, hat im Winter sogar Vorteile, etwa weniger Hitzeprobleme unter der Lampe.
Wie die Keimung selbst abläuft, beschreibt die Anleitung Cannabis-Keimung im Papiertuch. Hier geht es um das Umfeld in der kalten Jahreszeit.
Temperatur: der wichtigste Faktor #
Cannabis-Samen keimen am schnellsten bei etwa 22 bis 26 °C. Unter 20 °C verlangsamt sich die Keimung deutlich, unter 15 °C kommt sie oft ganz zum Stillstand. Im Winter liegt die Temperatur an vielen Stellen der Wohnung unter diesem Bereich, vor allem nachts.
Wo es wirklich warm ist #
- Fensterbank: tagsüber hell, nachts oft nur 12 bis 16 °C durch die kalte Scheibe. Für die Keimung ungeeignet.
- Boden: kühler als die Raumluft, besonders auf Fliesen oder über unbeheizten Räumen.
- Schrank oder Regal in Innenwänden: meist gleichmäßig warm, gut für Papiertuch und Keimung.
- Direkt auf der Heizung: zu heiß und zu schwankend. Samen und Tücher trocknen aus.
Miss die Temperatur dort, wo die Samen liegen, und nicht im Raum. Ein einfaches Min-Max-Thermometer zeigt, wie stark es nachts abkühlt.
Heizmatte richtig einsetzen #
Eine Anzucht-Heizmatte unter dem Keimteller oder dem Anzuchtgewächshaus hält die Temperatur konstant. Wichtig ist ein Thermostat mit Fühler: Ohne Regelung können Heizmatten das Substrat auf über 30 °C erwärmen, was Wurzeln schädigt und Fäulnis fördert. Lege den Fühler ins Substrat oder neben die Samen und stelle ihn auf etwa 24 °C ein.
Welche Heizlösungen im Grow sicher sind und welche nicht, vergleicht der Beitrag Heizmatte, Heizkabel, Heizlüfter: Was ist sicher?.
Gießwasser temperieren #
Leitungswasser kommt im Winter oft mit 8 bis 12 °C aus dem Hahn. Dieses kalte Wasser kühlt das Substrat stark ab und bremst die jungen Wurzeln. Stell dir einen Behälter mit Gießwasser über Nacht in den Raum, damit es auf 18 bis 22 °C kommt.
Luftfeuchtigkeit: gegen trockene Heizungsluft #
Beheizte Wohnräume haben im Winter häufig nur 30 bis 40 % relative Luftfeuchte. Keimlinge und junge Sämlinge nehmen über die Blätter noch Feuchtigkeit auf und trocknen in so trockener Luft schnell aus. Das Papiertuch oder die oberste Substratschicht verlieren ebenfalls schneller Wasser.
| Phase | Luftfeuchte (Richtwert) | Hilfsmittel |
|---|---|---|
| Keimung im Papiertuch | geschlossener Behälter | Deckel oder zweiter Teller |
| Auflaufen der Keimlinge | 70 bis 80 % | Anzuchtgewächshaus mit Deckel |
| Erste echte Blätter | 65 bis 75 % | Deckel schrittweise öffnen |
| Sämling mit 2 bis 3 Blattpaaren | 60 bis 70 % | Deckel ab, bei Bedarf Luftbefeuchter |
Ein Anzuchtgewächshaus mit Lüftungsschieber ist im Winter die einfachste Lösung. Öffne die Schieber einmal täglich für einige Minuten, damit frische Luft hineinkommt und sich kein Schimmel bildet. Beschlägt der Deckel stark, ist es zu feucht – dann Schieber weiter öffnen.
Steht das Anzuchtgewächshaus an einer kalten Außenwand oder am Fenster, bildet sich innen viel Kondenswasser. Tropfen, die auf die Keimlinge fallen, fördern Umfallkrankheiten. Stell die Anzucht deshalb an einen gleichmäßig warmen Platz.
Licht: Fensterbank reicht nicht #
Für die Keimung selbst brauchen Samen kein Licht. Sobald der Keimling aber die Erde durchbricht, braucht er sofort ausreichend Licht. Im Winter liefert die Fensterbank in Deutschland nur wenige Stunden schwaches Tageslicht. Die Folge sind lange, dünne und instabile Stängel: Der Sämling streckt sich zum Licht.
Richtwerte für Sämlinge unter Kunstlicht:
- Lichtdauer: 18 Stunden Licht, 6 Stunden Dunkelheit (18/6)
- Lichtintensität: etwa 100 bis 300 µmol/m²/s, am Anfang eher im unteren Bereich
- Abstand: nach Herstellerangabe der Lampe, bei schwachen Anzuchtleuchten meist 20 bis 40 cm
Wie du die passende Lichtstärke findest, erklärt der Ratgeber PPFD für Sämlinge richtig wählen.
UV-Licht für Sämlinge? #
UV-Anteile in Growlampen werden meist erst in der späten Blüte diskutiert, ihr Nutzen ist umstritten. Für Keimlinge und junge Sämlinge bringt UV-Licht keinen Vorteil. Zu viel davon kann das junge Gewebe sogar stressen. Eine normale Vollspektrum-LED oder Anzuchtleuchte reicht völlig aus.
Licht als Heizung nutzen #
Im Winter ist die Abwärme der Lampe willkommen. Plane die Lichtphase so, dass sie in die kälteste Tageszeit fällt, zum Beispiel von abends bis zum Vormittag. Dann bleibt es in der Dunkelphase am Nachmittag wärmer, wenn die Wohnung ohnehin beheizt ist.
Checkliste für die Winter-Keimung #
- Keimort mit Thermometer prüfen, Ziel 22 bis 26 °C
- Heizmatte nur mit Thermostat betreiben
- Gießwasser auf Raumtemperatur bringen
- Anzuchtgewächshaus mit Deckel für 70 bis 80 % Luftfeuchte
- Täglich kurz lüften
- Ab dem Auflaufen Kunstlicht mit 18/6
- Nicht an kalte Fenster oder Außenwände stellen
Wie du die Growbox im Winter insgesamt warm und trocken hältst, steht im Ratgeber Cannabis-Anbau im Winter.
Häufige Fragen #
Keimen Samen im Winter schlechter?
Nein, die Keimfähigkeit hängt nicht von der Jahreszeit ab. Entscheidend ist die Temperatur am Keimort. Bei 22 bis 26 °C keimen Samen im Winter genauso schnell wie im Sommer.
Reicht die Heizung als Wärmequelle?
Die Raumheizung hält die Wohnung meist bei 19 bis 21 °C. Das reicht für die Keimung, sie dauert dann aber etwas länger. Wärmer und gleichmäßiger wird es mit einer Heizmatte mit Thermostat.
Kann ich Sämlinge im Winter auf die Fensterbank stellen?
Nur als Notlösung für wenige Tage. Das Winterlicht ist zu schwach, und nachts kühlt es am Fenster stark ab. Die Sämlinge strecken sich und werden instabil. Eine kleine Anzuchtleuchte ist die bessere Wahl.
Wie verhindere ich Schimmel im Anzuchtgewächshaus?
Einmal täglich lüften, nicht zu nass gießen und das Gewächshaus nicht an kalte Wände stellen. Wenn der Deckel dauerhaft beschlagen ist, Lüftungsschieber weiter öffnen.




