LEDs gelten als „kühle“ Lampen, doch das stimmt nur im Vergleich mit Natriumdampflampen. Auch eine moderne LED-Growlampe wandelt einen großen Teil ihrer Leistung in Wärme um. Im Winter ist diese Wärme oft willkommen, im Sommer wird sie zum Problem: für die Pflanzen, die unter zu hohen Temperaturen leiden, und für die Lampe selbst, deren Elektronik bei Hitze schneller altert.
Woher die Wärme einer LED kommt #
Eine LED-Growlampe hat zwei Wärmequellen:
- Die LED-Chips: Sie erzeugen Licht und Wärme. Die Wärme wird über die Platine an den Kühlkörper abgegeben, meist ein Aluminiumprofil mit Rippen auf der Oberseite.
- Der Treiber: Das Netzteil wandelt Netzspannung in den Strom um, den die Chips brauchen. Auch dabei entsteht Abwärme, meist einige Prozent der Lampenleistung.
Wichtig für das Verständnis: Anders als bei NDL-Lampen strahlen LEDs kaum Wärme nach unten auf die Pflanzen ab. Die Wärme sammelt sich am Kühlkörper und steigt nach oben. Das macht sie gut abführbar, wenn die Luft dort zirkuliert.
Was Hitze mit der Lampe macht #
Elektronische Bauteile altern schneller, je wärmer sie betrieben werden. Das gilt für die LED-Chips und besonders für die Kondensatoren im Treiber.
| Bauteil | Folge dauerhaft hoher Temperatur |
|---|---|
| LED-Chips | schnellerer Lichtrückgang über die Jahre |
| Treiber | kürzere Lebensdauer, im Extremfall Abschaltung durch Überhitzungsschutz |
| Kabel und Stecker | Materialermüdung bei sehr hohen Temperaturen |
Viele Treiber und Lampen reduzieren bei Überhitzung automatisch ihre Leistung oder schalten ab. Wenn deine Lampe an heißen Tagen flackert oder plötzlich dunkler wird, ist das ein deutliches Warnsignal. Weitere Pflegetipps rund um die Lebensdauer gibt der Beitrag LED Growlampen Lebensdauer.
Kühlstrategien für die Lampe #
Treiber aus der Box verlagern #
Bei vielen Lampen lässt sich der Treiber abnehmen und über ein Verlängerungskabel außerhalb der Box montieren. Das hat zwei Vorteile: Die Abwärme bleibt draußen, und der Treiber arbeitet selbst bei kühlerer Umgebungstemperatur. Hänge ihn an eine Stelle mit freier Luftzirkulation, nicht auf den Boden hinter Möbel oder direkt an die heiße Boxwand.
Verwende ausschließlich die vom Hersteller vorgesehenen Verlängerungskabel. Selbstgebaute Verlängerungen an der Niedervolt-Gleichstromseite können Überhitzung und Defekte verursachen und die Garantie gefährden.
Kühlkörper freihalten #
Passive LEDs kühlen über Konvektion: Warme Luft steigt von den Kühlrippen auf, kühlere strömt nach. Das funktioniert nur, wenn über der Lampe Platz ist.
- Halte mindestens 15 bis 20 cm Abstand zwischen Lampenoberseite und Boxdecke.
- Lege keine Kabel, Schläuche oder Reflektorfolie auf den Kühlkörper.
- Montiere den Abluftfilter so, dass er warme Luft oberhalb der Lampe absaugt.
Kühlkörper reinigen #
Staub auf den Kühlrippen wirkt wie eine Isolierschicht. Reinige die Oberseite der Lampe vor dem Sommer bei ausgeschaltetem und abgekühltem Gerät mit einem weichen Pinsel oder Druckluft. Die Dioden auf der Unterseite solltest du dabei nicht berühren.
Lüfter prüfen #
Hat deine Lampe aktive Lüfter, prüfe sie vor dem Sommer auf Geräusche und Staub. Ein blockierter Lüfter führt schnell zu Überhitzung. Bei passiven Lampen kann ein kleiner Ventilator, der Luft über den Kühlkörper streichen lässt, die Temperatur spürbar senken.
LED dimmen #
Dimmen ist die schnellste Maßnahme an heißen Tagen. Weniger Leistung bedeutet direkt weniger Wärme, sowohl am Kühlkörper als auch am Treiber.
| Dimmung | Wirkung |
|---|---|
| 10 % | spürbar weniger Wärme, kaum Wachstumsverlust |
| 20 bis 30 % | deutliche Entlastung an Hitzetagen, leichter Ertragsverlust möglich |
| über 30 % | nur als Notmaßnahme bei extremer Hitze |
Die Faustregel: Eine Pflanze bei 27 °C mit 80 % Licht wächst besser als eine Pflanze bei 33 °C mit voller Leistung. Wenn du den Lichtbedarf genau steuern willst, hilft ein Blick auf die Werte für PPFD: In der Wachstumsphase reichen oft schon 400 bis 600 µmol/m²/s, in der Blüte liegen gängige Richtwerte bei 600 bis 900 µmol/m²/s ohne zusätzliches CO₂.
Beleuchtungszeiten anpassen #
Lege die Lichtphase in die kühlsten Stunden. In der Blüte mit 12/12 bietet sich etwa 20 bis 8 Uhr an, in der Wachstumsphase mit 18/6 zum Beispiel 16 bis 10 Uhr. Die Lampe ist dann in den heißen Nachmittagsstunden aus, und die Abluft kann die Box in dieser Zeit mit Raumluft durchspülen.
Stelle die Zeiten in Ruhe um und achte in der Blüte darauf, dass die Dunkelphase nicht unterbrochen wird. Eine Zeitschaltuhr oder ein Controller mit Sonnenauf- und -untergangsfunktion sorgt für einen sanften Übergang.
Klimaanlagen und Raumkühlung #
Wenn die Raumtemperatur selbst über 28 °C steigt, stößt jede Lampenoptimierung an Grenzen. Dann hilft nur, die Zuluft zu kühlen, etwa mit einem Klimagerät im Vorraum. Wie du die Box als Ganzes durch den Sommer bringst, beschreibt der Guide Growbox im Sommer kühlen.
Wasserkühlung als Speziallösung #
Bei sehr leistungsstarken Setups oder in dauerhaft heißen Räumen kann eine Wasserkühlung sinnvoll sein. Die Wärme der LED wird über einen Kühlkreislauf aus der Box geführt, statt in der Boxluft zu landen. Das ist aufwendig und eher etwas für fortgeschrittene Bastler. Wie ein solcher Aufbau aussieht, zeigt die Anleitung zur Wasserkühlung für LEDs.
Abstand zu den Pflanzen #
Im Sommer ist die Versuchung groß, die Lampe höher zu hängen. Das reduziert die Lichtintensität, senkt aber die Lufttemperatur kaum, weil LEDs wenig Strahlungswärme nach unten abgeben. Wirksamer ist Dimmen bei gleichem Abstand. Den Abstand solltest du vor allem dann vergrößern, wenn die obersten Blätter trotz passender Lufttemperatur Anzeichen von Lichtstress zeigen, etwa ausgebleichte Spitzen.
Häufige Fragen #
Wie heiß darf eine LED-Growlampe werden?
Das hängt vom Modell ab. Ein Kühlkörper, den du nach längerem Betrieb nur kurz anfassen kannst, ist normal. Konkrete Grenzwerte für Kühlkörper und Treiber stehen in der Anleitung des Herstellers. Automatisches Herunterregeln oder Flackern zeigt, dass diese Grenzen erreicht sind.
Soll ich die LED im Sommer ganz abschalten?
Nein, das würde das Wachstum stoppen und in der Blüte den Rhythmus stören. Verlege die Lichtphase in die Nacht und dimme bei Bedarf. Nur bei extremer Hitze und Ausfall der Kühlung ist eine vorübergehende Abschaltung eine Notlösung.
Sind LEDs mit aktiven Lüftern im Sommer besser?
Nicht unbedingt. Aktiv gekühlte Lampen halten die Chips kühler, geben die Wärme aber genauso an die Box ab. Passive Lampen haben keine beweglichen Teile, die ausfallen können. Entscheidend ist, dass die Wärme mit der Abluft abtransportiert wird.
Wie viel Wärme spare ich durch Dimmen?
Die Wärmeentwicklung sinkt ungefähr im selben Verhältnis wie die Leistungsaufnahme. Bei 20 % weniger Leistung entsteht also auch etwa 20 % weniger Abwärme an der Lampe.
Fazit #
Im Sommer braucht auch eine LED Aufmerksamkeit: Treiber aus der Box nehmen, Kühlkörper sauber und frei halten, Lichtphase in die Nacht verlegen und an Hitzetagen um 10 bis 20 % dimmen. So schützt du die Lebensdauer der Lampe und hältst gleichzeitig die Boxtemperatur im Rahmen. Reicht das nicht aus, muss die Zuluft gekühlt werden.




