Eine Mutterpflanze ist eine weibliche Pflanze, die dauerhaft in der vegetativen Phase gehalten wird, um regelmäßig Stecklinge zu liefern. Alle Stecklinge sind genetisch identisch mit ihr. So kannst du eine bewährte Pflanze über viele Durchgänge wiederholen, ohne jedes Mal neue Samen zu keimen. Damit das gelingt, braucht die Mutter einen eigenen Platz, passendes Licht und eine konsequente Pflege.
Geeignete Pflanze wählen #
Nicht jede Pflanze eignet sich als Mutter. Ideal ist eine Pflanze, deren Eigenschaften du bereits kennst.
- Bewährter Phänotyp: Am besten wählst du eine Pflanze, deren Klon du schon einmal bis zur Ernte gebracht hast. So weißt du, wie Ertrag, Aroma und Blütedauer ausfallen.
- Photoperiodische Genetik: Autoflower-Sorten blühen unabhängig vom Licht und eignen sich nicht als Mutterpflanze.
- Kräftiger Wuchs und gute Bewurzelung: Manche Sorten bewurzeln deutlich schneller als andere. Das spart später Zeit und Ausfälle.
- Stabilität: Pflanzen mit Neigung zu Zwitterblüten oder Anfälligkeit für Mehltau gibst du an jeden Steckling weiter.
- Gesundheit: Die Mutter muss frei von Schädlingen und Krankheiten sein. Jeder Befall wandert mit den Stecklingen weiter.
Wer mehrere Genetiken parallel erhalten will, findet eine systematische Herangehensweise im Beitrag Genetik-Bibliothek aufbauen.
Die vegetative Phase aufrechterhalten #
Photoperiodische Cannabis-Pflanzen blühen, sobald die ununterbrochene Dunkelphase lang genug wird. Eine Mutterpflanze muss deshalb dauerhaft einen Langtag bekommen.
| Parameter | Richtwert für Mutterpflanzen |
|---|---|
| Lichtzyklus | 18/6 (manche Grower nutzen 20/4) |
| Lichtintensität | 300–500 µmol/m²/s |
| Temperatur | 22–26 °C am Tag, nachts nicht unter 18 °C |
| Luftfeuchte | 55–70 % rF |
| VPD | etwa 0,8–1,1 kPa |
Die Intensität darf niedriger sein als in einer Wachstumsbox für die Produktion. Du willst ein kompaktes, gesundes Wachstum und keinen maximalen Zuwachs. Viele Grower halten die Mutter in einem eigenen kleinen Zelt oder einem abgetrennten Bereich mit einer schwächeren LED.
Die Mutter darf auf keinen Fall in die Blütebox mit 12/12 gelangen. Umgekehrt darf ihr Licht nicht in eine benachbarte Blütebox fallen. Schon Lichtlecks können Blüteprozesse stören.
Beschneiden für buschiges Wachstum #
Eine gut geformte Mutterpflanze hat viele gleichmäßige Triebe auf ähnlicher Höhe. Das erreichst du durch regelmäßiges Schneiden:
Früh toppen
Nach dem vierten bis sechsten Nodium den Haupttrieb kappen. So entstehen zwei führende Triebe statt einem.
Regelmäßig Stecklinge nehmen
Jeder Stecklingsschnitt wirkt wie ein Topping und fördert neue Seitentriebe.
Innenraum auslichten
Schwache, beschattete Triebe im Inneren entfernen. Sie liefern kaum brauchbare Stecklinge und behindern die Luftzirkulation.
Höhe begrenzen
Die Pflanze kompakt halten, damit die Lampe gleichmäßig alle Triebspitzen erreicht.
Pausen einplanen
Nach einem großen Schnitt die Pflanze ein bis zwei Wochen erholen lassen, bevor du erneut schneidest.
Die Technik des Toppens erklärt Cannabis richtig toppen ausführlich. Wie du die Stecklinge selbst schneidest und bewurzelst, zeigt Cannabis-Stecklinge schneiden.
Düngung für Mutterpflanzen #
Mutterpflanzen haben einen gleichmäßigen, eher moderaten Nährstoffbedarf. Überdüngung schadet besonders: Stecklinge von stark mit Stickstoff gedüngten Müttern bewurzeln oft langsamer.
- Wachstumsdünger mit ausgewogenem Stickstoffanteil verwenden, keine Blütedünger.
- EC-Richtwert: etwa 1,0 bis 1,6 mS/cm, je nach Substrat und Sorte. Lieber am unteren Ende starten.
- pH-Richtwerte: Erde 6,0 bis 6,8, Kokos und Hydro 5,6 bis 6,2.
- Calcium und Magnesium im Blick behalten, besonders bei Kokos und weichem Wasser.
- Stickstoff vor dem Schnitt reduzieren: Eine Woche vor einem größeren Stecklingsschnitt leicht zurückfahren. Das fördert die Bewurzelung der Stecklinge.
Umtopfen und Wurzelpflege #
Nach einigen Monaten ist der Topf durchwurzelt, das Wachstum lässt nach, und die Pflanze reagiert empfindlicher auf Gießfehler. Dann gibt es zwei Möglichkeiten:
- Größer umtopfen: Klassische Lösung, die aber irgendwann an Platzgrenzen stößt.
- Wurzelschnitt: Die Pflanze aus dem Topf nehmen, außen rundherum und am Boden etwa ein Viertel des Wurzelballens abschneiden und in frisches Substrat im selben Topf setzen. Danach die oberirdische Masse ebenfalls etwas reduzieren, damit Wurzeln und Blattmasse im Gleichgewicht bleiben.
Topfgrößen zwischen 11 und 25 Litern haben sich für Mutterpflanzen bewährt. Größere Töpfe sind möglich, aber schwerer zu handhaben.
Wie lange hält eine Mutterpflanze? #
Bei guter Pflege kann eine Mutterpflanze viele Monate bis mehrere Jahre produktiv bleiben. In der Praxis tauschen viele Grower ihre Mutter nach sechs bis zwölf Monaten aus. Die Gründe:
- Die Pflanze verholzt zunehmend, Stecklinge bewurzeln langsamer.
- Unbemerkte Belastungen wie Viren oder Viroide können sich ansammeln.
- Wurzelschnitte und Umtopfen werden aufwendig.
Eine einfache Strategie: Du bewurzelst regelmäßig einen Steckling der Mutter und ziehst ihn als neue Mutter heran. So bleibt die Genetik erhalten, und du startest immer wieder mit einer jungen, vitalen Pflanze.
Mutterpflanze in der Growbox #
Wer nur eine Growbox hat, kann Mutter und Produktion nicht gleichzeitig halten, sobald die Blüte beginnt. Mögliche Lösungen:
- Zweites kleines Zelt (z. B. 40x40 oder 60x60 cm) nur für die Mutter und bewurzelnde Stecklinge.
- Schrank mit Anzuchtlampe: Für eine kompakt gehaltene Mutter reicht eine schwächere LED.
- Stecklinge statt Mutter: Einen bewurzelten Steckling durch die Blüte der Hauptbox hindurch als Minimutter halten.
Beachte die gesetzliche Höchstzahl an Pflanzen für den privaten Eigenanbau: Auch eine Mutterpflanze und bewurzelte Stecklinge können dazu zählen.
Eine wöchentliche Kontrolle von Blattunterseiten, Wurzeln und Nährlösung verhindert, dass sich Probleme einschleichen. Eine abhakbare Liste dafür findest du in der Checkliste Mutterpflanze pflegen.
Häufige Fragen #
Kann ich eine Autoflower als Mutterpflanze nutzen?
Nein. Autoflower beginnen unabhängig vom Lichtzyklus nach wenigen Wochen zu blühen. Stecklinge davon würden ebenfalls sofort in die Blüte gehen.
Wie viele Stecklinge liefert eine Mutterpflanze?
Das hängt von Größe und Schnitt ab. Eine gut geformte Mutter in einem 11- bis 15-Liter-Topf liefert alle zwei bis drei Wochen problemlos eine Handvoll bis mehrere Dutzend Stecklinge.
Kann ich eine Mutterpflanze aus Samen ziehen?
Ja. Du ziehst mehrere Pflanzen aus Samen, nimmst von jeder einen Steckling und bringst die Pflanzen zur Blüte. Die beste Pflanze wird anhand ihres Klons als Mutter weitergeführt.
Warum bewurzeln die Stecklinge meiner Mutter schlecht?
Häufige Ursachen sind zu viel Stickstoff, eine alte, verholzte Mutter oder zu starke Lichtintensität. Reduziere die Düngung vor dem Schnitt und nimm bevorzugt junge, halbharte Triebe.



