Indoor bestimmst du den Erntetag allein nach der Reife. Draußen redet das Wetter mit. In Deutschland reifen photoperiodische Sorten meist zwischen Ende September und Mitte Oktober, also genau dann, wenn Regen, Nebel und kalte Nächte zunehmen. Dichte, reife Blüten sind in dieser Zeit besonders anfällig für Grauschimmel. Wer die Wettervorhersage aktiv in die Ernteplanung einbezieht, rettet oft einen großen Teil seiner Saison.

Warum das Wetter im Herbst so entscheidend ist #

Reife Blüten sind kompakt und halten Feuchtigkeit lange fest. Nach einem Regentag oder in einer nebligen Nacht trocknen sie im Inneren nur langsam ab. Bei Temperaturen zwischen etwa 15 und 25 °C und anhaltend hoher Luftfeuchte findet Grauschimmel (Botrytis) ideale Bedingungen. Ein Befall beginnt oft unsichtbar im Inneren der Blüte und breitet sich innerhalb weniger Tage aus. Wie du Botrytis erkennst und vorbeugst, erklärt der Beitrag Grauschimmel bei Cannabis verhindern.

Dazu kommen kalte Nächte. Leichte Kälte verträgt Cannabis gut, manche Sorten verfärben sich dann violett. Frost unter 0 °C schädigt dagegen Blätter und Blüten.

Die Reife als Ausgangspunkt #

Das Wetter kann eine Ernte vorziehen, sollte sie aber nicht beliebig bestimmen. Zuerst brauchst du eine klare Vorstellung vom Reifegrad:

  • Trichome: Überwiegend milchig-trübe Trichome mit einem kleinen Anteil bernsteinfarbener gelten als typischer Erntebereich. Klare Trichome zeigen, dass die Blüte noch nicht fertig ist.
  • Blütenstempel: Ein Großteil der Härchen hat sich braun oder orange verfärbt und zurückgezogen.
  • Blütedauer: Die Angabe des Züchters ist eine grobe Orientierung, draußen dauert es oft etwas länger.

Wie du Trichome richtig beurteilst, zeigt der Leitfaden Trichome beobachten. Beginne ab etwa zwei bis drei Wochen vor dem erwarteten Termin, die Trichome alle paar Tage zu prüfen. So weißt du jederzeit, wie viel Spielraum du hast.

Die Wettervorhersage richtig lesen #

Für die Ernteplanung reichen die üblichen Wetter-Apps, wenn du auf die richtigen Werte achtest:

WertWarum er zähltKritisch ab etwa
Niederschlagsmenge und Dauerlange Nässe ist gefährlicher als ein kurzer Schauermehrere Tage mit Regen am Stück
Relative Luftfeuchtehohe Werte verhindern das Abtrocknendauerhaft über 80 %
Nebel und Taubenetzen die Blüten auch ohne RegenNebel über mehrere Morgenstunden
NachttemperaturFrost schädigt Pflanzengewebeunter 2 °C, Frostgefahr
Windtrocknet ab, kann aber Äste brechenSturmböen

Die Werte sind Richtwerte. Achte vor allem auf den Trend über fünf bis sieben Tage: Eine Woche mit wechselhaftem, feuchtem Wetter ist riskanter als ein einzelner Regentag mit anschließender Sonne.

Entscheiden: ernten oder warten? #

Wenn Reife und Wetter nicht zusammenpassen, hilft diese Abwägung:

ReifegradWetter in den nächsten TagenEmpfehlung
fast fertig, überwiegend milchige Trichomelängere Regenphase angekündigtvor dem Regen ernten
noch überwiegend klare Trichomekurzer Schauer, danach trockenabwarten, Pflanzen nach dem Regen abtrocknen lassen
noch überwiegend klare Trichomemehrere nasse TageRegenschutz aufbauen, täglich auf Schimmel prüfen
reiftrocken und mildin Ruhe ernten, idealer Zeitpunkt
egalFrost unter 0 °C angekündigtspätestens vor der Frostnacht ernten

Eine etwas frühere Ernte kostet etwas Ertrag und verändert das Wirkprofil leicht. Eine verschimmelte Ernte ist dagegen verloren. Im Zweifel ist ein paar Tage früher meist die bessere Wahl.

Den Erntetag selbst planen #

  • Trockene Blüten ernten: Schneide nie direkt nach Regen oder bei Tau. Warte, bis die Pflanzen vollständig abgetrocknet sind, bei Morgentau meist bis zum späten Vormittag.
  • Trockenes Wetter für die ersten Tage danach: Bei der Trocknung drinnen spielt das Außenwetter keine Rolle mehr, wohl aber, ob die Blüten nass hereinkommen.
  • Genug Zeit einplanen: Große Outdoor-Pflanzen brauchen viel mehr Zeit zum Schneiden und Aufhängen als Indoor-Pflanzen. Plane einen ganzen Tag ein.
  • Trockenraum vorbereiten: Der Raum sollte vor der Ernte eingerichtet sein, mit Richtwerten von etwa 18 bis 21 °C und 55 bis 60 % relativer Luftfeuchte.

Eine Übersicht aller Handgriffe bietet die Checkliste für den Outdoor-Erntetag.

Teilernte: oben zuerst #

Nicht alle Blüten einer Pflanze reifen gleichzeitig. Die oberen, sonnigen Blüten sind oft früher fertig als die im Inneren. Das kannst du nutzen:

  1. Obere Blüten ernten

    Schneide die reifen Spitzen, bevor ein Wetterumschwung kommt.

  2. Untere Blüten nachreifen lassen

    Sie bekommen danach mehr Licht und reifen noch einige Tage bis zwei Wochen nach.

  3. Rest vor der nächsten Schlechtwetterphase ernten

    Behalte die Vorhersage im Blick und hole die übrigen Blüten rechtzeitig herein.

Schutz, wenn du noch warten musst #

Wenn die Pflanzen noch nicht reif sind und Regen droht, kannst du die Zeit überbrücken:

  • Regenschutz: Ein Dach aus transparenter Folie oder ein Pavillon über den Pflanzen hält Regen ab. Die Seiten bleiben offen, damit Luft zirkulieren kann.
  • Ausdünnen: Große Fächerblätter im Blüteninneren entfernen, damit Luft durchströmt.
  • Nach dem Regen schütteln: Pflanzen vorsichtig abschütteln, damit Wasser aus den Blüten läuft.
  • Täglich kontrollieren: Graue, braune oder welke Stellen in den Blüten sofort großzügig herausschneiden und entsorgen.

Lösungen für Dach und Windschutz im Garten beschreibt der Beitrag Regen- und Windschutz für Outdoor-Pflanzen.

Häufige Fragen #

Wann ist die typische Outdoor-Ernte in Deutschland?

Bei photoperiodischen Sorten meist zwischen Ende September und Mitte Oktober, je nach Sorte, Region und Witterung. Früh blühende Sorten und Autoflower können deutlich früher fertig sein.

Kann ich nach Regen sofort ernten?

Besser nicht. Nasse Blüten trocknen langsam und schimmeln leichter. Warte, bis die Pflanzen vollständig abgetrocknet sind, und schüttle überschüssiges Wasser vorher ab.

Schadet eine kalte Nacht der Ernte?

Kühle Nächte um 5 bis 10 °C sind unproblematisch und können bei manchen Sorten Farben hervorbringen. Frost unter 0 °C schädigt Blätter und Blüten. Bei angekündigtem Frost solltest du vorher ernten.

Lohnt es sich, bei Schlechtwetter unreif zu ernten?

Wenn eine lange, feuchte Phase droht und die Blüten schon weitgehend reif sind, ja. Bei sehr unreifen Blüten ist ein Regenschutz meist die bessere Lösung, sofern du täglich auf Schimmel kontrollierst.