Ein klassischer Grow läuft in Etappen: keimen, wachsen, blühen, ernten, reinigen und von vorn. Zwischen zwei Ernten vergehen drei bis fünf Monate. Beim Perpetual Grow, auch Perpetual Harvest genannt, überlappen sich die Durchgänge. Während eine Pflanze blüht, wächst die nächste bereits heran. Das Ergebnis sind kürzere Abstände zwischen den Ernten und eine gleichmäßigere Auslastung von Platz und Technik. Die Grundidee erklärt der Lexikoneintrag Perpetual Grow.

Das Prinzip: zeitversetzte Phasen #

Die Kernidee ist einfach: Die Pflanzen befinden sich nicht alle im selben Stadium. Sobald eine Pflanze geerntet wird, rückt eine bereits vorgezogene Pflanze in die Blüte nach, und ein neuer Platz für die Anzucht wird frei.

Voraussetzung dafür sind bei photoperiodischen Sorten zwei getrennte Lichtzonen:

  • Wachstumszone: 18 Stunden Licht, 6 Stunden Dunkelheit, damit die Pflanzen nicht blühen.
  • Blütezone: 12 Stunden Licht, 12 Stunden völlige Dunkelheit.

Bei Autoflowers geht es auch mit einer einzigen Zone, weil sie unabhängig vom Lichtzyklus blühen. Mehr zu den Unterschieden im Ratgeber Autoflower vs. photoperiodisch.

Platzbedarf und Aufbau #

VarianteAufbauGeeignet für
Zwei Boxenkleine Box für Wachstum, größere für Blütephotoperiodische Sorten, maximale Kontrolle
Geteilte BoxBox mit zwei lichtdicht getrennten Kammernwenig Stellfläche, beide Zyklen in einem Zelt
Eine Box mit Autoflowerseine Zone mit 18 oder 20 Stunden Lichteinfachste Variante, keine Lichttrennung

Die Wachstumszone kann deutlich kleiner sein, weil junge Pflanzen wenig Platz brauchen. Eine Box von 40 × 60 cm oder 60 × 60 cm reicht oft. Für die Blüte bietet sich 80 × 80 cm oder 100 × 100 cm an. Fertige Zwei-Kammer-Lösungen stellt der Ratgeber Dual-Zone-Komplettsets vor.

Timing: So berechnest du den Rhythmus #

Der Rhythmus ergibt sich aus der Blütedauer und der Zahl der Pflanzen, die gleichzeitig blühen.

  1. Blütedauer der Sorte bestimmen

    Photoperiodische Sorten brauchen meist acht bis zehn Wochen Blüte.

  2. Zahl der Blüteplätze festlegen

    Bei drei Pflanzen insgesamt sind das in der Regel zwei Plätze in der Blüte und einer in der Wachstumszone.

  3. Versatz berechnen

    Teile die Blütedauer durch die Zahl der Blüteplätze. Bei neun Wochen Blüte und zwei Plätzen startet etwa alle vier bis fünf Wochen eine neue Pflanze in die Blüte.

  4. Wachstumsphase anpassen

    Die Pflanze in der Wachstumszone muss zum Zeitpunkt des Wechsels die gewünschte Größe haben. Keime oder bewurzle sie entsprechend früher.

  5. Rhythmus festhalten

    Trage alle Termine in einen Kalender ein: Keimung, Umzug in die Blüte, voraussichtliche Ernte.

Beispielplan mit drei Pflanzen #

WocheWachstumszoneBlütezone Platz ABlütezone Platz B
0Pflanze 1 wächstleerleer
4Pflanze 2 wächstPflanze 1 blüht (Woche 1)leer
8Pflanze 3 wächstPflanze 1 blüht (Woche 5)Pflanze 2 blüht (Woche 1)
13Pflanze 4 startetPflanze 1 geerntet, Platz frei für Pflanze 3Pflanze 2 blüht (Woche 6)

Wichtig: Eine neue Pflanze darf erst keimen, wenn durch eine Ernte ein Platz frei geworden ist, damit nie mehr als drei Pflanzen gleichzeitig vorhanden sind. Im eingeschwungenen Zustand erntest du etwa alle vier bis fünf Wochen eine Pflanze.

Lichtzyklen im Detail #

  • Wachstumszone: 18/6 ist Standard. Die Lichtintensität kann geringer sein als in der Blüte, als Richtwert 300 bis 600 µmol/m²/s.
  • Blütezone: 12/12 mit absoluter Dunkelheit. Richtwert 600 bis 900 µmol/m²/s.
  • Autoflower-Variante: 18/6 oder 20/4 in einer einzigen Zone. Jede Pflanze durchläuft ihren Zyklus, neue Pflanzen werden nach jeder Ernte gestartet.

Workflow: der Rhythmus im Alltag #

Ein Perpetual Grow läuft nur rund, wenn die Arbeiten fest eingeplant sind.

  • Wöchentlicher Check: Wachstum, Klima, Schädlinge in beiden Zonen, Pflanzen umsetzen oder trainieren.
  • Fester Umzugstag: Der Wechsel von der Wachstums- in die Blütezone erfolgt immer an einem festen Tag, direkt nach einer Ernte.
  • Reinigung bei laufendem Betrieb: Weil die Box nie ganz leer ist, reinigst du platzweise. Nach jeder Ernte werden der freie Bereich, Töpfe und Untersetzer gesäubert.
  • Trocknung mitdenken: Durch die regelmäßigen Ernten ist auch der Trocknungsplatz ständig belegt. Plane einen festen Ort dafür.

Vor- und Nachteile #

Vorteile:

  • Regelmäßige, kleinere Ernten statt großer Einzelernten
  • Lampen und Boxen sind durchgehend ausgelastet
  • Routine und Erfahrung wachsen schneller

Nachteile:

  • Höherer Aufwand für Planung und zwei Klimazonen
  • Mehr Stromverbrauch durch zwei gleichzeitig laufende Lampen
  • Schädlinge oder Krankheiten können sich zwischen den Pflanzen weitertragen, weil nie alles leer ist

Wie sich ein Zwei-Wochen-Rhythmus mit mehr Pflanzen rechnerisch aufbaut, beschreibt der Beitrag Perpetual Harvest alle 2 Wochen. Im Eigenanbau mit drei Pflanzen sind längere Intervalle realistischer.

Häufige Fragen #

Wie oft kann ich mit drei Pflanzen ernten?

Mit zwei Blüteplätzen und einer Pflanze in der Wachstumszone lässt sich bei photoperiodischen Sorten etwa alle vier bis fünf Wochen ernten. Bei Autoflowers hängt es von der Gesamtdauer der Sorte ab.

Brauche ich für einen Perpetual Grow zwei Growboxen?

Bei photoperiodischen Sorten ja, oder eine Box mit zwei lichtdicht getrennten Kammern. Bei Autoflowers reicht eine Box, weil alle Pflanzen unter demselben Lichtzyklus blühen.

Eignen sich Stecklinge für einen Perpetual Grow?

Ja, sie sind sogar ideal, weil sie einheitlich wachsen und dieselbe Blütedauer haben. Beachte aber, dass eine Mutterpflanze einen der drei Plätze belegt.

Ist ein Perpetual Grow für Anfänger geeignet?

Eher als zweiter oder dritter Grow. Wer die Abläufe eines einfachen Durchgangs kennt, kann anschließend gezielt auf einen gestaffelten Betrieb umsteigen.