Kälte ist im Indoor-Grow seltener ein Thema als Hitze – bis der erste Winter kommt. In einem ungeheizten Keller, auf dem Dachboden oder in der Dunkelphase ohne Lampenwärme kann die Temperatur schnell unter die Wohlfühlzone fallen. Cannabis reagiert darauf mit verlangsamtem Wachstum und teils auffälligen Verfärbungen. Die meisten Kälteprobleme lassen sich mit einfachen Mitteln beheben.

Welche Temperaturen sind zu kalt? #

Cannabis fühlt sich bei 20 bis 28 °C in der Lichtphase am wohlsten. Die folgenden Grenzen sind Richtwerte:

TemperaturWirkung auf die Pflanze
über 18 °Cunproblematisch, auch nachts
15–18 °CWachstum verlangsamt sich, nachts meist noch unkritisch
10–15 °Cdeutlicher Kältestress, Nährstoffaufnahme gestört, Verfärbungen möglich
unter 10 °CGewebeschäden möglich, Wachstum stoppt weitgehend
unter 0 °CFrost zerstört das Gewebe, oft tödlich

Kritisch ist nicht nur der absolute Wert, sondern auch der Unterschied zwischen Tag und Nacht. Als Richtwert sollte die Temperatur in der Dunkelphase nicht mehr als 5 bis 8 °C unter den Tageswert fallen. Größere Sprünge fördern zudem Kondenswasser und damit Schimmel.

Symptome: So zeigt sich Kältestress #

  • Verlangsamtes Wachstum: Die Pflanze wirkt wie eingefroren, neue Blätter entwickeln sich kaum.
  • Violette oder rötliche Stängel und Blattstiele: Kälte fördert die Bildung von Anthocyanen, roten und violetten Farbstoffen.
  • Dunkle, violett überlaufene Blätter: besonders an der Blattunterseite und an den Adern.
  • Hängende, schlaffe Blätter, obwohl das Substrat feucht ist: Kalte Wurzeln nehmen weniger Wasser auf.
  • Mangelsymptome ohne Düngefehler: vor allem Phosphor- und Magnesiummangel, weil die Aufnahme bei Kälte gehemmt ist.
  • Nasses Substrat, das kaum abtrocknet: Kalte Pflanzen verbrauchen weniger Wasser, das Risiko für Wurzelfäule steigt.

Violett durch Kälte oder durch Genetik? #

Nicht jede violette Färbung ist ein Problem. Viele Sorten bilden in der späten Blüte genetisch bedingt violette Blätter oder Blüten, vor allem bei kühleren Nächten. Das ist kein Schaden.

Hinweiseher Genetikeher Kältestress
Zeitpunktspäte Blütejederzeit, auch im Wachstum
Wachstumnormaldeutlich verlangsamt
Weitere Symptomekeineschlaffe Blätter, Mangelsymptome
Temperaturnormal oder leicht kühle Nächtedauerhaft unter 15 bis 18 °C

Eine violette Färbung mit braunen, absterbenden Blatträndern an älteren Blättern kann auch auf Phosphormangel hindeuten. Bei Kälte tritt dieser häufig als Folgeproblem auf.

Die Wurzelzone warm halten #

Kalte Wurzeln sind oft das eigentliche Problem – besonders, wenn die Box auf einem Fliesen- oder Betonboden steht. Das Substrat kann dann mehrere Grad kälter sein als die Luft.

  • Isolieren von unten: Stelle die Töpfe auf eine Styropor- oder Holzplatte statt direkt auf den Boden.
  • Gießwasser temperieren: Mit 18 bis 22 °C gießen, nie mit eiskaltem Leitungswasser.
  • Heizmatte nutzen: Eine Wärmematte unter den Töpfen hält die Wurzelzone bei etwa 18 bis 22 °C. Verwende sie nur mit Thermostat.
  • Hydro-Systeme: Die Nährlösung sollte etwa 18 bis 22 °C haben. Ein Aquarienheizer mit Thermostat hilft.

Die Luft in der Growbox wärmen #

  1. Lampenwärme nutzen

    In der Lichtphase ist die Lampe die wichtigste Wärmequelle. Drossle die Abluft über einen Temperaturregler, damit die Wärme nicht sofort abgesaugt wird.

  2. Lichtphase in die Nacht legen

    Schaltet die Lampe in den kältesten Stunden ein, heizt sie genau dann, wenn es am nötigsten ist.

  3. Zuluft aus einem wärmeren Raum

    Zieht die Box ihre Luft aus einem beheizten Raum statt aus dem kalten Keller, steigt die Temperatur spürbar.

  4. Box isolieren

    Dämmmatten oder Rettungsdecken an den Außenwänden reduzieren den Wärmeverlust.

  5. Zusätzlich heizen

    Wenn all das nicht reicht, hilft eine kleine Heizung mit Thermostat.

Welche Heizgeräte sich für die Growbox eignen und welche ein Sicherheitsrisiko darstellen, vergleicht der Beitrag Heizmatte, Heizkabel oder Heizlüfter.

Tag-Nacht-Unterschied gezielt nutzen #

Ein leichter Temperaturabfall in der Nacht ist nicht schädlich, sondern kann sogar nützlich sein. Viele Grower beobachten, dass Pflanzen kompakter bleiben und sich weniger strecken, wenn es nachts etwas kühler ist. In den letzten zwei Blütewochen fördert ein Unterschied von 5 bis 8 °C bei manchen Sorten die violette Färbung und kann das Aroma unterstützen.

Wichtig sind dabei zwei Grenzen: Nachts nicht unter etwa 16 bis 18 °C und die Luftfeuchte im Blick behalten, damit kein Kondenswasser entsteht.

Wenn die Pflanze bereits Kältestress hat #

  • Temperatur langsam anheben, nicht mit einem Heizlüfter auf volle Leistung.
  • Weniger gießen, bis die Pflanze wieder normal Wasser verbraucht.
  • Keinen zusätzlichen Dünger geben: Mangelsymptome verschwinden meist, sobald die Wurzeln warm genug sind.
  • Geschädigte Blätter nicht sofort entfernen, solange sie noch grüne Anteile haben.

Nach einigen Tagen bei normalen Temperaturen sollte das Wachstum wieder anlaufen. Wie du deine Box vor dem Winter vorbereitest, zeigt die Anleitung: Growbox winterfest machen.

Häufige Fragen #

Woran erkenne ich, dass Cannabis zu kalt steht?

Typisch sind ein verlangsamtes Wachstum, violette Stängel und Blattstiele, schlaffe Blätter trotz feuchtem Substrat und Mangelsymptome ohne Düngefehler. Miss zur Sicherheit die Temperatur nachts und auf Höhe der Töpfe.

Wie kalt darf es nachts in der Growbox werden?

Als Richtwert nicht unter 16 bis 18 °C, und nicht mehr als 5 bis 8 °C kälter als in der Lichtphase. Keimlinge und Stecklinge brauchen es wärmer, etwa 20 °C und mehr.

Erholt sich Cannabis von Kältestress?

In den meisten Fällen ja, solange kein Frost im Spiel war. Nach einigen Tagen bei normalen Temperaturen wächst die Pflanze weiter. Bereits verfärbte oder geschädigte Blätter bleiben allerdings so.

Sind violette Blüten ein Zeichen von Kältestress?

Nicht unbedingt. Viele Sorten verfärben sich in der späten Blüte genetisch bedingt, besonders bei kühlen Nächten. Solange die Pflanze sonst gesund wirkt und normal wächst, ist das unbedenklich.