Im Sommer ist die Growbox zu warm, im Winter hat sie das umgekehrte Problem. Solange die Lampe läuft, reicht die Abwärme meist aus. In der Dunkelphase fällt die Temperatur aber schnell ab, die relative Luftfeuchte steigt, und an kalten Flächen bildet sich Kondenswasser. Genau diese Kombination macht den Winter zur Schimmelsaison. Der Schlüssel liegt nicht nur im Heizen, sondern im Zusammenspiel von Wärme, Luftaustausch und Feuchtigkeit.

Warum kalte Nächte zu Schimmel führen #

Warme Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte. Kühlt die Luft in der Box nachts ab, steigt die relative Luftfeuchte, obwohl keine zusätzliche Feuchtigkeit hinzukommt. Erreicht die Luft an einer Oberfläche ihren Taupunkt, kondensiert Wasser: an der Zeltwand, am Topf oder im Inneren dichter Blüten.

Ein Beispiel als Richtwert: Luft mit 24 °C und 55 % relativer Feuchte hat einen Taupunkt von etwa 14 °C. Sinkt die Temperatur an einer kalten Außenwand oder Zeltbahn unter diesen Wert, bildet sich dort Wasser. Genau deshalb sind große Temperaturstürze nach dem Licht-Aus gefährlicher als eine insgesamt etwas kühlere Box.

Zielwerte im Winter #

PhaseTag (Licht an)Nacht (Licht aus)Luftfeuchte
Sämlinge, Stecklinge22 bis 26 °Cnicht unter 20 °C60 bis 70 %
Wachstum22 bis 28 °Cnicht unter 18 °C50 bis 65 %
Blüte20 bis 26 °Cnicht unter 17 °C40 bis 55 %

Der Unterschied zwischen Tag und Nacht sollte möglichst nicht mehr als 5 bis 6 °C betragen. In der späten Blüte werden kleine Nachtabsenkungen manchmal bewusst für Farbe genutzt, das Schimmelrisiko steigt dabei aber.

Schritt eins: Wärme halten statt nur heizen #

Bevor du eine Heizung einsetzt, lohnt es sich, Wärmeverluste zu verringern:

  • Abluft drosseln: Im Winter muss die Abluft weniger Wärme abführen. Stelle den Lüfter über einen Drehzahlregler oder Klimacontroller so ein, dass er nur so viel Luft austauscht wie nötig. Völlig abschalten solltest du ihn nicht, sonst stauen sich Feuchtigkeit und Geruch.
  • Zuluft vorwärmen: Kalte Außenluft direkt aus dem Fenster kühlt die Box stark. Besser ist Zuluft aus einem beheizten Raum.
  • Box vom kalten Boden trennen: Eine Dämmplatte oder Styropor unter der Box verhindert, dass der Wurzelbereich auskühlt.
  • Abstand zu Außenwänden: Kalte Wände fördern Kondensation an der Zeltbahn.
  • Lichtphase in die Nacht legen: Läuft die Lampe in den kältesten Stunden, hilft ihre Abwärme dort, wo sie gebraucht wird.

Wie du die Abluft im Winter richtig einstellst, beschreibt der Ratgeber Abluft im Winter.

Schritt zwei: Gezielt heizen #

Reichen diese Maßnahmen nicht aus, brauchst du eine Wärmequelle für die Dunkelphase. Grundsätzlich gibt es zwei Wege:

  • Den Raum heizen: Die einfachste und oft sicherste Lösung. Wenn der Aufstellraum 18 bis 20 °C hat, bleibt die Box in der Dunkelphase meist im Zielbereich.
  • Die Box direkt heizen: Mit einem kleinen, thermostatgesteuerten Heizgerät. Wichtig ist eine geringe Leistung, die exakt geregelt wird, sonst schwankt die Temperatur stark.

Heizmatten unter den Töpfen wärmen den Wurzelbereich, ersetzen aber keine Raumheizung. Welche Heizarten sich für die Growbox eignen und welche Risiken sie haben, vergleicht der Ratgeber Heizmatte, Heizkabel, Heizlüfter: Was ist sicher?.

Schritt drei: Luftfeuchte im Griff behalten #

Wärme allein verhindert keinen Schimmel. Achte zusätzlich auf:

  • Umluft auch nachts: Ein Clip-Ventilator hält die Luft in Bewegung und verhindert Feuchtigkeitsnester im Blätterdach.
  • Entfeuchter bei Bedarf: In der Blüte kann ein kleiner Luftentfeuchter im Aufstellraum oder in größeren Boxen nötig sein. Er gibt zudem etwas Wärme ab.
  • Gießen zu Beginn der Lichtphase: Überschüssige Feuchtigkeit verdunstet dann, solange es warm ist.
  • Kein offenes Wasser: Untersetzer mit Wasser, offene Reservoirs und nasse Böden erhöhen die Luftfeuchte.

Temperatur des Gießwassers #

Kaltes Gießwasser aus der Leitung kühlt den Wurzelbereich merklich ab. Lass es vor dem Gießen auf Raumtemperatur kommen, idealerweise 18 bis 22 °C. In Hydro-Systemen hält ein Aquarienheizstab mit Thermostat die Nährlösung stabil.

Anzeichen für zu kalte Bedingungen #

  • Blätter verfärben sich violett oder dunkel, obwohl die Sorte das nicht vorgibt.
  • Das Wachstum stockt, die Pflanze wirkt träge.
  • Kondenswasser an den Zeltwänden am Morgen.
  • Muffiger Geruch in der Box.

Wie sich Kälte auf die Pflanze auswirkt und wie du reagierst, zeigt der Ratgeber zum Kältestress bei Cannabis.

Häufige Fragen #

Wie warm sollte die Growbox nachts im Winter sein?

In der Wachstumsphase nicht unter 18 °C, in der Blüte nicht unter 17 °C. Wichtiger als der absolute Wert ist ein kleiner Unterschied zur Tagtemperatur von möglichst nicht mehr als 5 bis 6 °C.

Soll ich die Abluft im Winter ausschalten?

Nein. Drossle sie, aber lass sie laufen. Ohne Luftaustausch stauen sich Feuchtigkeit, Geruch und verbrauchte Luft, was das Schimmelrisiko erhöht.

Kann ich einen normalen Heizlüfter in die Growbox stellen?

Nur mit großer Vorsicht. Er muss thermostatgesteuert, kippsicher und mit ausreichend Abstand zu Zeltwand und Pflanzen aufgestellt sein. Oft ist es sicherer, den Raum zu heizen statt die Box.

Warum steigt die Luftfeuchte nachts in der Growbox?

Weil die Temperatur fällt und kältere Luft weniger Wasserdampf halten kann. Die relative Feuchte steigt dadurch, obwohl kein zusätzliches Wasser hinzukommt.

Fazit #

Im Winter entscheidet die Nacht über das Schimmelrisiko. Halte Wärme in der Box, begrenze die Nachtabsenkung, heize bei Bedarf kontrolliert und sorge durchgehend für Luftbewegung. Wer Temperatur und Luftfeuchte gemeinsam betrachtet, kommt sicher durch die kalte Jahreszeit. Weitere Winter-Themen fasst der Ratgeber Cannabis-Anbau im Winter zusammen.