Im Sommer ist die Abluft der wichtigste Helfer gegen Hitze. Im Winter dreht sich das Problem um: Die Lampe liefert zu wenig Wärme, und jeder Kubikmeter Abluft ersetzt warme Growbox-Luft durch kalte Zuluft. Die naheliegende Lösung, den Lüfter einfach abzuschalten, führt aber zu neuen Problemen: Geruch dringt nach außen, die Luftfeuchte steigt, und Schimmel wird wahrscheinlicher. Die Kunst liegt darin, gerade so viel Luft abzuführen wie nötig.
Warum die Abluft im Winter unverzichtbar bleibt #
Die Abluft erfüllt drei Aufgaben, und nur eine davon ist das Kühlen:
- Feuchtigkeit abführen: Pflanzen verdunsten den Großteil des Gießwassers. Ohne Luftaustausch steigt die Luftfeuchte schnell über 70 Prozent.
- Geruch kontrollieren: Die Luft wird durch den Aktivkohlefilter gezogen und die Box steht unter leichtem Unterdruck. Undichte Stellen saugen dann Luft hinein statt Geruch hinaus.
- Frische Luft und CO2: Pflanzen verbrauchen CO2 bei Licht. Ohne Austausch sinkt die Konzentration in einer dichten Box schnell.
Die Abluft komplett abzuschalten, ist deshalb keine Option. Stattdessen reduzierst du die Luftmenge und hältst die Wärme auf anderem Weg.
Unterdruck: das Minimum an Abluft #
Für die Geruchskontrolle reicht ein leichter Unterdruck. Die Zeltwände sollten sich sichtbar leicht nach innen wölben, aber nicht flattern oder stark einfallen. Das erreicht man oft schon mit einem Bruchteil der Lüfter-Nennleistung.
Lüfter auf niedrige Stufe
Über einen Drehzahlregler oder Klimacontroller die Drehzahl reduzieren, bis die Wände nur noch leicht nach innen stehen.
Zuluft verkleinern
Passive Zuluftöffnungen teilweise schließen. Weniger Zuluftquerschnitt erhöht den Unterdruck bei gleicher Lüfterleistung.
Mindestdrehzahl festlegen
Am Controller eine Untergrenze einstellen, damit die Abluft nie ganz stoppt.
Kontrollieren
Geruch an Reißverschlüssen und Durchführungen prüfen. Riecht es draußen, ist der Unterdruck zu gering oder der Filter erschöpft.
Wie du den Unterdruck grundsätzlich einstellst, zeigt Growbox-Unterdruck einstellen.
Aktivkohlefilter brauchen eine gewisse Mindestverweilzeit der Luft, keine hohe Geschwindigkeit. Ein langsamer Lüfter ist für die Filterwirkung also kein Problem. Kritisch wird es nur, wenn die Box keinen Unterdruck mehr hat und Luft an Filter und Lüfter vorbei entweicht.
Wärme in der Box halten #
Wenn die Abluft gedrosselt ist, bleibt die Abwärme der Lampe länger in der Box. Das allein reicht oft schon für die Lichtphase. Weitere Maßnahmen:
- Zuluft aus einem warmen Raum: Die Zuluft sollte nicht direkt von draußen oder aus einem kalten Keller kommen. Luft aus dem Wohnraum hat bereits 18 bis 21 °C.
- Abluft nicht ins Freie, sondern in den Raum: Wenn die Geruchsfilterung zuverlässig funktioniert, kann gefilterte Abluft im Winter in den Aufstellraum zurückgeführt werden. Die Wärme bleibt im Raum, und die Zuluft wird wärmer. Achte dann auf die Luftfeuchte im Raum.
- Box isolieren: Eine Styropor- oder Dämmplatte unter der Box hält Bodenkälte von den Töpfen fern. Töpfe nie direkt auf kalten Fliesen oder Beton stellen.
- Dunkelphase in die Nacht legen, Lichtphase in die kälteste Zeit: Die Lampe wärmt dann, wenn es draußen am kältesten ist.
- Zusatzheizung: Wenn alles nicht reicht, helfen ein kleiner Heizlüfter mit Thermostat oder eine Heizmatte unter den Töpfen. Wie du sicher heizt, erklärt Growbox im Winter heizen.
Richtwerte für den Winter:
| Phase | Temperatur Licht | Temperatur Dunkel | Luftfeuchte |
|---|---|---|---|
| Wachstum | 22–27 °C | nicht unter 18 °C | 55–70 % |
| Blüte | 22–26 °C | nicht unter 16–18 °C | 45–55 % |
Geruch im Winter besonders im Blick #
Der Winter bringt eigene Geruchsrisiken:
- Weniger Luftaustausch in der Wohnung: Fenster bleiben zu, Gerüche stehen länger im Raum.
- Kalte Abluftrohre: Führt die Abluft durch kalte Bereiche oder direkt nach draußen, kann in Rohr und Filter Kondenswasser entstehen. Feuchte Aktivkohle filtert schlechter.
- Temperaturunterschiede: Warme Luft steigt auf und drückt an undichten Stellen im oberen Bereich der Box nach außen, wenn der Unterdruck zu schwach ist.
Gegenmaßnahmen sind ein ausreichend dimensionierter, trockener Filter, möglichst kurze und isolierte Abluftwege und die regelmäßige Kontrolle der Reißverschlüsse und Durchführungen.
Kondenswasser vermeiden #
Wenn warme, feuchte Growbox-Luft auf kalte Flächen trifft, kondensiert sie. Typische Stellen sind Außenwände, Abluftrohre und die Box-Innenseite nahe kalter Wände.
- Box mit 10 bis 20 cm Abstand zur Außenwand aufstellen.
- Abluftrohre, die durch kalte Räume führen, mit Rohrisolierung ummanteln.
- Den Abluftschlauch mit leichtem Gefälle nach außen verlegen, damit Kondensat nicht zurück in Lüfter und Filter läuft.
- In der Dunkelphase die Abluft etwas erhöhen, weil dann die Luftfeuchte steigt und die Temperatur sinkt.
Nachtabsenkung richtig steuern #
In der Dunkelphase fällt die Wärme der Lampe weg, die Temperatur sinkt schnell. Gleichzeitig steigt die relative Luftfeuchte, weil kältere Luft weniger Wasser aufnehmen kann. Das ist die kritischste Zeit für Schimmel.
Temperaturgrenze festlegen
Der Controller soll die Abluft drosseln, sobald die Temperatur unter etwa 18 °C fällt.
Feuchtegrenze festlegen
Steigt die Luftfeuchte über etwa 60 % in der Blüte, darf die Abluft trotz Kälte hochfahren.
Heizung als Gegenspieler
Ein Heizlüfter mit Thermostat hält die Mindesttemperatur, während die Abluft die Feuchte abführt.
Umluft weiterlaufen lassen
Sie verhindert feuchte Luftpolster zwischen den Blüten.
Weitere Vorbereitungen für die kalte Jahreszeit findest du in der Checkliste Winter-Grow-Vorbereitung.
Häufige Fragen #
Kann ich die Abluft im Winter nachts ausschalten?
Nicht vollständig. Ohne Abluft steigt die Luftfeuchte stark, und der Unterdruck für die Geruchskontrolle geht verloren. Eine stark reduzierte Drehzahl ist die bessere Lösung.
Darf ich gefilterte Abluft in den Raum leiten?
Ja, wenn der Aktivkohlefilter zuverlässig arbeitet und der Raum nicht zu feucht wird. Die Wärme bleibt dann erhalten. Kontrolliere die Raumluftfeuchte, um Schimmel an Wänden zu vermeiden.
Warum riecht es im Winter trotz Filter?
Häufige Ursachen sind zu geringer Unterdruck, ein feuchter oder erschöpfter Filter und undichte Stellen an Durchführungen. Prüfe zuerst, ob sich die Zeltwände leicht nach innen wölben.
Wie kalt darf die Zuluft sein?
Möglichst nicht unter 15 °C. Sehr kalte Zuluft kühlt die Box ungleichmäßig ab und belastet die Pflanzen im unteren Bereich. Besser ist Zuluft aus einem beheizten Raum.




