Im Sommer kämpfst du gegen Hitze, im Winter gegen Kälte und trockene Luft. Steht die Growbox in einem unbeheizten Raum, im Keller oder auf dem Dachboden, fällt die Temperatur nachts schnell unter 15 °C. Die Pflanzen wachsen dann langsamer, nehmen weniger Nährstoffe auf und werden anfälliger für Schimmel. Mit ein paar gezielten Anpassungen läuft dein Grow aber auch bei Minusgraden draußen stabil. Diese Anleitung konzentriert sich auf die praktische Umrüstung der Box. Einen Überblick über alle Winterprobleme gibt der Ratgeber Cannabis-Anbau im Winter.
Die Zielwerte für den Winterbetrieb #
Bevor du etwas umbaust, lohnt sich ein Blick auf die Werte, die du erreichen willst. Die folgenden Angaben sind Richtwerte für photoperiodische Pflanzen in Erde:
| Phase | Tag (Licht an) | Nacht (Licht aus) | Luftfeuchte |
|---|---|---|---|
| Sämling und Steckling | 22 bis 26 °C | 20 bis 22 °C | 65 bis 75 % rF |
| Wachstum | 22 bis 28 °C | 18 bis 22 °C | 55 bis 70 % rF |
| Blüte | 20 bis 26 °C | 17 bis 21 °C | 40 bis 55 % rF |
Wichtig ist nicht nur der absolute Wert, sondern der Unterschied zwischen Tag und Nacht. Eine Differenz von mehr als etwa 8 bis 10 °C fördert Kondenswasser an Blättern und Zeltwänden und kann bei manchen Sorten die Streckung verändern. In der Spätblüte nutzen manche Grower bewusst etwas kühlere Nächte für mehr Farbe – das ist aber eine Stilfrage, keine Notwendigkeit.
Schritt für Schritt zur winterfesten Growbox #
Temperatur protokollieren
Lege für einige Tage ein Thermo-Hygrometer mit Min-Max-Speicher in die Box, idealerweise auf Höhe der Pflanzenspitzen. So siehst du, wie tief die Temperatur nachts tatsächlich fällt und ob überhaupt ein Heizbedarf besteht.
Standort prüfen
Stelle die Box nicht direkt an eine Außenwand und nicht auf einen kalten Steinboden. Schon 10 Zentimeter Abstand zur Wand verringern die Kältebrücke deutlich.
Boden isolieren
Lege eine Dämmplatte aus Styrodur oder eine dicke Schaumstoffmatte unter die Box. Kalter Boden kühlt die Töpfe und damit die Wurzeln aus.
Wurzelzone warm halten
Stelle die Töpfe auf Holzbretter oder Untersetzer mit Füßen. Bei sehr kaltem Boden hilft eine Heizmatte mit Thermostat unter den Töpfen.
Lichtphase in die Nacht legen
Wenn die Lampe während der kältesten Stunden brennt, nutzt du ihre Abwärme als Heizung. Bei einem 12/12-Zyklus läuft das Licht dann zum Beispiel von 20 bis 8 Uhr.
Abluft drosseln
Regle den Abluftlüfter herunter, idealerweise über einen Temperaturregler, der die Drehzahl an die Temperatur in der Box koppelt.
Zuluft vorwärmen
Ziehe die Zuluft nicht direkt von draußen, sondern aus einem beheizten Nebenraum.
Zusatzheizung einbauen
Reicht das alles nicht, ergänzt du eine kleine Heizquelle mit Thermostat.
Luftfeuchte nachregeln
Kontrolliere täglich die Luftfeuchte und passe sie mit Luftbefeuchter oder Entfeuchter an.
Isolierung: Wo die Wärme verloren geht #
Eine Growbox ist im Grunde ein Stoffzelt mit dünner Reflexionsfolie. Sie hält Licht, aber kaum Wärme. Die größten Verluste entstehen über den Boden, über undichte Stellen an Reißverschlüssen und Durchführungen und vor allem über die Abluft, die kontinuierlich warme Luft nach draußen befördert.
Sinnvolle Maßnahmen sind:
- Dämmplatten unter der Box und bei sehr kalten Räumen auch an den Seitenwänden außen
- Eine Decke oder Isoliermatte über dem Dach, solange keine Lüftungsöffnungen verdeckt werden
- Geschlossene, ungenutzte Durchführungen, damit keine kalte Luft nachströmt
- Isolierte Abluftschläuche, damit die warme Luft nicht an kalten Stellen kondensiert
Übertreib es nicht mit der Abdichtung: Die Box braucht weiterhin Frischluft, sonst sinkt der CO₂-Gehalt und die Luftfeuchte steigt.
Heizmatte, Heizkabel oder Heizlüfter? #
Welche Heizquelle sinnvoll ist, hängt davon ab, wie groß das Temperaturdefizit ist. Eine ausführliche Sicherheitsbetrachtung liefert der Ratgeber Heizmatte, Heizkabel, Heizlüfter: Was ist sicher?.
| Heizquelle | Geeignet für | Hinweise |
|---|---|---|
| Heizmatte | kalte Wurzelzone, Anzucht | nur mit Thermostat, nie direkt unter nassen Töpfen ohne Schutz |
| Heizkabel | Wurzelzone in größeren Wannen | für Feuchträume zugelassene Modelle verwenden |
| Kleiner Heizlüfter oder Keramikheizer | Lufttemperatur mehrere Grad anheben | mit Kippschutz und Überhitzungsschutz, Abstand zu Zeltwand und Pflanzen |
| Ölradiator vor der Box | Raum insgesamt temperieren | träge, aber sicher und gleichmäßig |
Eine Heizmatte wärmt die Wurzeln, nicht die Luft. Für eine Wurzelzone von etwa 20 °C reicht sie oft aus, um Wachstumsstockungen zu verhindern, auch wenn die Luft etwas kühler bleibt.
Heizgeräte gehören nicht in unmittelbare Nähe von Stoffwänden, Kabeln oder Pflanzen. Verwende ausschließlich Geräte mit Überhitzungsschutz, betreibe sie über einen Thermostat und nutze keine überlasteten Mehrfachsteckdosen. Wasser und Strom trennst du konsequent, zum Beispiel durch erhöhte Steckdosenleisten.
Luftzirkulation im Winter anpassen #
Im Winter ist die Versuchung groß, den Abluftlüfter abzuschalten. Das ist ein Fehler: Ohne Luftaustausch steigt die Luftfeuchte, besonders in der Nacht, und Schimmel hat leichtes Spiel. Stattdessen regelst du die Menge.
- Drehzahl absenken: Ein Lüfter mit Drehzahlregler oder ein Temperatur-Controller hält die Box warm und tauscht trotzdem Luft aus.
- Umluft beibehalten: Der Clip-Ventilator in der Box verteilt die Wärme gleichmäßig und verhindert kalte, feuchte Ecken. Richte ihn aber nicht direkt auf die Pflanzen, wenn die Luft kühl ist.
- Unterdruck erhalten: Auch bei gedrosselter Abluft sollten die Zeltwände leicht nach innen gewölbt sein, damit Gerüche nicht entweichen.
Wie du Abluft, Wärme und Geruchskontrolle im Winter zusammenbringst, beschreibt der Ratgeber Abluft im Winter.
Nachttemperatur stabil halten #
Die Dunkelphase ist im Winter die kritische Zeit. Sobald das Licht ausgeht, fehlt die größte Wärmequelle, und die Temperatur kann innerhalb einer Stunde um mehrere Grad fallen. Drei Maßnahmen helfen:
- Lichtphase verschieben: Das Licht läuft nachts, die Dunkelphase liegt tagsüber, wenn der Raum wärmer ist.
- Thermostat mit Nachtprogramm: Viele Controller erlauben getrennte Sollwerte für Tag und Nacht.
- Abluft nachts reduzieren: Weniger Luftwechsel in der Dunkelphase hält die Wärme, solange die Luftfeuchte im Rahmen bleibt.
Achte in der Blüte besonders auf die Luftfeuchte nach dem Ausschalten des Lichts. Kühlere Luft kann weniger Wasser halten, die relative Luftfeuchte steigt deshalb oft sprunghaft an. Werte über 60 % rF in der Spätblüte erhöhen das Risiko für Grauschimmel deutlich.
Trockene Heizungsluft ausgleichen #
Wird die Zuluft aus einem beheizten Raum gezogen, ist sie oft sehr trocken, manchmal unter 30 % rF. Sämlinge und junge Pflanzen reagieren darauf mit trockenen Blatträndern und langsamerem Wachstum. Ein kleiner Luftbefeuchter in der Box oder im Zuluftraum gleicht das aus. Verwende möglichst entkalktes oder destilliertes Wasser, damit sich kein weißer Kalkstaub auf Blättern und Technik absetzt.
Häufige Fragen #
Ab welcher Temperatur wird es für Cannabis zu kalt?
Unter etwa 15 °C verlangsamt sich das Wachstum deutlich, unter etwa 10 °C drohen Kälteschäden wie violett verfärbte Blattstiele und Nährstoffblockaden. Woran du Kältestress erkennst, erklärt der Ratgeber Kältestress bei Cannabis.
Reicht die Abwärme der LED als Heizung?
Bei kleinen Boxen in mäßig kühlen Räumen oft ja, zumindest während der Lichtphase. LEDs erzeugen aber deutlich weniger Wärme als ältere Natriumdampflampen. In der Dunkelphase brauchst du bei kalten Räumen trotzdem eine zusätzliche Wärmequelle.
Darf ich den Abluftlüfter im Winter ausschalten?
Nein, nur drosseln. Ohne Luftaustausch steigt die Luftfeuchte stark an, und Gerüche entweichen, weil kein Unterdruck mehr besteht.
Was mache ich gegen Kondenswasser an den Zeltwänden?
Kondenswasser entsteht, wenn warme, feuchte Luft auf kalte Flächen trifft. Isoliere die Außenseite der Box, verringere den Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht und halte die Luftfeuchte in der Dunkelphase niedriger.
Fazit #
Eine winterfeste Growbox braucht vor allem drei Dinge: eine isolierte Standfläche, eine geregelte statt abgeschaltete Abluft und eine Lichtphase, die in den kältesten Stunden läuft. Erst wenn das nicht reicht, kommt eine Zusatzheizung mit Thermostat ins Spiel. Mit täglichem Blick auf Min-Max-Temperatur und Luftfeuchte erkennst du Probleme, bevor die Pflanzen sie zeigen.




