Unter einer Growlampe zählt jeder Zentimeter. Das Licht ist direkt unter der Lampe am stärksten und nimmt nach unten und zu den Rändern schnell ab. Pflanzentraining sorgt dafür, dass möglichst viele Triebspitzen im besten Licht landen, statt dass eine einzige Hauptspitze alles abbekommt. Die drei gängigsten Methoden sind LST, Topping und SCROG. Sie funktionieren unterschiedlich, lassen sich aber hervorragend kombinieren.

Warum Training in der Wachstumsphase? #

Die Wachstumsphase (Veg) ist die Zeit, in der die Pflanze ihre Struktur aufbaut. Triebe sind jung und biegsam, und Schnitte verheilen schnell. Nach der Umstellung auf Blüte streckt sich die Pflanze noch zwei bis drei Wochen, danach steckt sie ihre Energie in die Blüten. Größere Eingriffe gehören deshalb in die Wachstumsphase.

Ziel jedes Trainings ist ein möglichst flaches, gleichmäßiges Blätterdach mit vielen gleich starken Triebspitzen.

Die drei Methoden im Überblick #

MethodePrinzipStress für die PflanzeAufwandZeitbedarf
LST (Low Stress Training)Triebe biegen und fixierengeringregelmäßiges Nachjustierenkeine Wachstumspause
ToppingSpitze abschneiden, zwei neue Haupttriebemittelein Schnitt, dann Geduldca. 1 Woche Pause je Topping
SCROG (Screen of Green)Triebe unter ein Netz führengeringtägliches Tucken, Netz aufbauenlängere Wachstumsphase zum Füllen

LST: Biegen statt Schneiden #

Beim Low Stress Training biegst du den Haupttrieb vorsichtig zur Seite und fixierst ihn mit weichem Draht oder Pflanzenclips am Topfrand. Die Pflanze reagiert, indem die Seitentriebe nach oben wachsen, weil sie jetzt die höchsten Punkte sind. Über Wochen entsteht so eine breite, flache Pflanze.

  • Vorteile: Kein Wachstumsstopp, sehr gut für Einsteiger und Autoflower, kaum Risiko.
  • Nachteile: Braucht regelmäßige Kontrolle alle ein bis zwei Tage, Bindungen müssen nachgeführt werden.
  • Start: Sobald die Pflanze vier bis fünf Knoten hat und der Stängel biegsam ist.

Die Technik im Detail zeigt die LST-Anleitung.

Topping: Aus eins mach zwei #

Beim Topping schneidest du die Spitze des Haupttriebs über dem vierten bis sechsten Knoten ab. Aus den beiden Seitentrieben wachsen zwei neue Haupttriebe. Das bricht die Spitzendominanz und macht die Pflanze breiter.

  • Vorteile: Schnell erledigt, klare Struktur, lässt sich wiederholen.
  • Nachteile: Eine Woche Wachstumspause pro Schnitt, bei Autoflowern meist nicht empfehlenswert.
  • Start: Ab vier bis sechs ausgebildeten Knoten.

Zeitpunkt, Varianten und mehrfaches Topping erklärt der Ratgeber Topping bei Cannabis.

SCROG: Das Netz als Schablone #

Beim SCROG spannst du ein Netz etwa 20 bis 30 cm über dem Topf. Alle Triebe, die über das Netz wachsen, werden darunter zurückgeführt und in freie Maschen verteilt. Wenn das Netz zu etwa 60 bis 80 % gefüllt ist, stellst du auf Blüte um. Dann wachsen alle Triebspitzen gleichzeitig senkrecht durch das Netz.

  • Vorteile: Sehr gleichmäßiges Blätterdach, maximale Nutzung der Fläche, ideal bei wenigen Pflanzen.
  • Nachteile: Längere Wachstumsphase, einmal im Netz lassen sich Pflanzen kaum noch bewegen, schwieriger zu entlauben.
  • Start: Netz spannen, sobald die Pflanze getoppt oder per LST in die Breite gezogen ist.

Grundlagen stehen im Ratgeber SCROG-Methode für Cannabis.

SCROG vs. LST: Was ist der Unterschied? #

Beide Methoden verfolgen dasselbe Ziel, ein flaches Blätterdach. Der Unterschied liegt im Werkzeug und in der Flexibilität:

KriteriumLSTSCROG
HilfsmittelDraht, Clips, Haken am TopfNetz über der ganzen Fläche
FlexibilitätPflanzen bleiben beweglichPflanzen sind im Netz fixiert
Stützwirkung in der Blütegering, oft zusätzliche Stützen nötighoch, das Netz trägt schwere Blüten
Anzahl Pflanzenbeliebigideal für eine bis vier Pflanzen
Geeignet für Autoflowersehr guteingeschränkt

In der Praxis ist SCROG oft die Fortsetzung von LST: Du beginnst mit Biegen und übergibst die Pflanze dann an das Netz.

Sinnvolle Kombinationen #

  • LST allein: Für Autoflower und Einsteiger. Kein Stress, solides Ergebnis.
  • Topping + LST: Der Klassiker für photoperiodische Pflanzen in kleinen und mittleren Boxen. Einmal oder zweimal toppen, die neuen Triebe dann waagerecht spannen.
  • Topping + LST + SCROG: Für maximale Flächennutzung mit einer bis vier Pflanzen. Aufwendiger, aber sehr gleichmäßig.

Beispiel-Trainingsplan für photoperiodische Pflanzen #

  1. Woche 1 bis 2

    Keimling wachsen lassen, kein Training.

  2. Woche 3 bis 4

    Bei fünf bis sechs Knoten einmal toppen. Pflanze eine Woche erholen lassen.

  3. Woche 4 bis 5

    Die beiden neuen Haupttriebe mit LST waagerecht zum Topfrand spannen.

  4. Woche 5 bis 6

    Optional die Haupttriebe ein zweites Mal toppen oder das SCROG-Netz spannen.

  5. Woche 6 bis 8

    Triebe unter dem Netz verteilen oder per LST gleichmäßig ausrichten, bis die Fläche zu etwa 60 bis 80 % gefüllt ist.

  6. Umstellung auf Blüte

    Noch 10 bis 14 Tage tucken oder nachführen, dann wachsen lassen. Untere, lichtarme Triebe entfernen.

Die Wochen sind Richtwerte. Maßgeblich ist, wie schnell deine Pflanze wächst, und nicht der Kalender.

Typische Fehler beim Training #

  • Zu früh beginnen: Sehr junge Pflanzen mit kleinem Wurzelsystem erholen sich langsam.
  • Zu spät eingreifen: Topping in der Blüte kostet Ertrag.
  • Zu viel auf einmal: Topping, starkes Entlauben und Umtopfen am selben Tag überfordern die Pflanze.
  • Triebe knicken: Beim LST langsam und in mehreren Schritten biegen, nicht mit Gewalt.
  • Keine Geduld beim SCROG: Zu frühes Umstellen lässt Lücken im Netz.

Häufige Fragen #

Was ist besser: SCROG oder LST?

Keine Methode ist grundsätzlich besser. LST ist flexibler und eignet sich für Autoflower und Einsteiger. SCROG liefert das gleichmäßigste Blätterdach und stützt schwere Blüten, braucht aber mehr Zeit und Planung.

Kann ich Topping und LST kombinieren?

Ja, das ist sogar die häufigste Kombination. Erst toppen, nach der Erholung die neuen Triebe per LST in die Breite ziehen.

Wann sollte ich mit dem Training aufhören?

Größere Eingriffe wie Topping enden etwa eine Woche vor der Umstellung auf Blüte. Leichtes Biegen und Tucken ist noch in den ersten ein bis zwei Blütewochen möglich.

Brauche ich für kleine Growboxen überhaupt Training?

Gerade in kleinen Boxen lohnt sich Training, weil die Höhe begrenzt ist. Schon einfaches LST hält die Pflanze flach und verteilt das Licht besser.