SCROG steht für Screen of Green: Ein horizontal gespanntes Netz führt die Triebe deiner Pflanzen in eine flache, gleichmäßige Ebene. Statt einer dominanten Spitze und vieler schwacher Seitentriebe entsteht ein dichter Teppich aus Blütenständen, die alle ähnlich viel Licht bekommen. Die Methode eignet sich besonders für Growboxen mit begrenzter Höhe und für Grower, die mit wenigen Pflanzen die Fläche optimal nutzen wollen.

Was ist SCROG? #

Beim SCROG wächst die Pflanze in der vegetativen Phase durch ein Netz, das in einigen Zentimetern Höhe über dem Topf gespannt ist. Jeder Trieb, der das Netz durchstößt, wird waagerecht umgelenkt und unter das Netz zurückgeführt. So verteilst du die Triebe über die ganze Fläche, bis das Netz gefüllt ist. Erst dann folgt die Umstellung auf die Blüte.

Das Prinzip nutzt die Apikaldominanz aus: Eine Pflanze bevorzugt normalerweise ihren höchsten Trieb. Wird dieser immer wieder waagerecht gelegt, verteilt sie ihre Energie auf viele gleich hohe Spitzen.

Vorteile: gleichmäßige Canopy #

  • Gleichmäßiges Licht: Alle Blütenspitzen liegen auf einer Höhe und damit im optimalen Abstand zur Lampe. Die Lichtintensität wird effizienter genutzt.
  • Weniger Popcorn-Buds: Kleine, luftige Blüten im Schatten werden reduziert.
  • Kontrollierte Höhe: Ideal bei niedrigen Zelten oder starkem Stretch.
  • Wenige Pflanzen, volle Fläche: Eine bis vier Pflanzen können eine ganze Box füllen.
  • Stabilität: Das Netz stützt schwere Blüten in der späten Blüte.

Die Nachteile: Die vegetative Phase dauert länger, du musst regelmäßig eingreifen, und nach dem Füllen des Netzes lassen sich Pflanzen kaum noch bewegen.

SCROG oder SOG: Was ist der Unterschied? #

Die beiden Methoden werden oft verwechselt, verfolgen aber gegensätzliche Ansätze.

MerkmalSCROG (Screen of Green)SOG (Sea of Green)
Pflanzenzahlwenige, 1–4 pro m²viele kleine Pflanzen
Vegetative Phaselang, bis das Netz gefüllt istsehr kurz, oft 1–2 Wochen
Trainingintensiv: einfädeln, oft Toppingkaum, eine Hauptblüte pro Pflanze
AusgangsmaterialSamen oder Stecklingemeist Stecklinge
Zielmaximale Fläche pro Pflanzeschnelle Durchgänge

Wer viele Pflanzen halten darf und auf Tempo setzt, schaut sich die SOG-Methode an. Für den privaten Eigenanbau mit wenigen Pflanzen ist SCROG meist die passendere Wahl.

Das richtige Netz wählen #

  • Maschenweite: 5 × 5 cm bis 10 × 10 cm hat sich bewährt. Kleine Maschen geben mehr Führungspunkte, erschweren aber später das Arbeiten unter dem Netz.
  • Material: Elastische Grow-Netze aus Kunststoff sind leicht zu spannen. Stabiler sind Netze mit festen Rahmen aus Stangen. Draht ist möglich, kann aber in Triebe einschneiden.
  • Höhe: Als Richtwert 20 bis 40 cm über der Topfoberkante. Tiefer gespannt bleibt mehr Raum zur Lampe, höher gespannt gibt es mehr Platz zum Arbeiten unter dem Netz.
  • Spannung: Das Netz muss straff sitzen, sonst gibt es unter dem Gewicht der Blüten nach.

Wie du das Netz Schritt für Schritt montierst, erklärt die Anleitung zum Spannen des SCROG-Netzes.

SCROG Schritt für Schritt #

  1. Pflanze vorbereiten

    Viele Grower toppen die Pflanze nach dem vierten bis sechsten Nodium, um von Beginn an mehrere Haupttriebe zu haben.

  2. Netz spannen

    Sobald die Pflanze etwa 5 bis 10 cm unter die geplante Netzhöhe reicht, wird das Netz montiert.

  3. Triebe einfädeln

    Jeder Trieb, der etwa 5 bis 10 cm über das Netz wächst, wird vorsichtig gebogen und unter der nächsten Masche waagerecht in eine freie Richtung geführt.

  4. Regelmäßig nachführen

    Alle ein bis zwei Tage kontrollieren. Triebe wachsen schnell und richten sich zur Lampe aus.

  5. Leere Felder füllen

    Die Triebe so verteilen, dass möglichst jedes Feld belegt wird.

  6. Auf Blüte umstellen

    Wenn das Netz zu etwa 60 bis 80 % gefüllt ist.

  7. Stretch nutzen

    In den ersten zwei Blütewochen weiter einfädeln, bis der Stretch die restlichen Felder füllt.

  8. Aufwachsen lassen

    Danach dürfen die Triebe senkrecht durch das Netz wachsen und bilden die Blütenspitzen.

Triebe richtig durchs Netz fädeln #

  • Nachmittags biegen: Nach einigen Stunden Licht sind Triebe biegsamer als direkt nach dem Einschalten.
  • Waagerecht, nicht nach unten: Den Trieb nur so weit führen, dass die Spitze knapp unter dem Netz liegt.
  • Nicht knicken: Knickt ein Trieb ein, kann er meist mit Klebeband stabilisiert werden und erholt sich in wenigen Tagen.
  • Richtung wechseln: Triebe gleichmäßig in alle Richtungen verteilen, damit die Mitte nicht überfüllt wird.

Die Checkliste SCROG-Netz perfekt füllen hilft dir, den Überblick zu behalten.

Wann auf Blüte umstellen? #

Das ist die häufigste Frage beim SCROG. Cannabis wächst nach der Umstellung auf 12/12 noch einmal deutlich, je nach Sorte um 50 bis 100 %, bei manchen Sativa-lastigen Sorten auch mehr. Wer wartet, bis das Netz vollständig gefüllt ist, bekommt später ein überfülltes, zu dichtes Blätterdach.

Richtwert: Bei 60 bis 80 % Füllung umstellen. Bei stark streckenden Sorten eher früher, bei kompakten Sorten später.

Pflege unter dem Netz #

  • Lollipopping: Etwa ein bis zwei Wochen nach der Umstellung werden die kleinen Triebe und Blätter unter dem Netz entfernt. Sie bekommen kaum Licht und würden nur Energie kosten.
  • Defoliation mit Maß: Große Blätter, die Blütenstände über dem Netz verschatten, können gezielt entfernt oder unter das Netz gesteckt werden.
  • Luftbewegung: Unter dem dichten Blätterdach steht die Luft schnell. Ein Umluftventilator unterhalb des Netzes senkt das Schimmelrisiko.
  • Gießen planen: Große Töpfe oder ein Bewässerungssystem erleichtern die Versorgung, wenn die Pflanze fest im Netz sitzt.

Typische Fehler #

  • Zu spät umgestellt: Netz platzt nach dem Stretch aus allen Nähten.
  • Zu wenige Pflanzen für die Fläche: Die vegetative Phase zieht sich über Wochen.
  • Netz zu hoch: Nach dem Stretch fehlt der Abstand zur Lampe.
  • Unten nicht aufgeräumt: Viele kleine, schwache Blüten und stehende Luft.

Häufige Fragen #

Wie viele Pflanzen brauche ich für SCROG?

Das hängt von Fläche und vegetativer Phase ab. Als Richtwert füllt eine gut trainierte Pflanze 0,25 bis 1 m². In einer Box mit 80 × 80 cm reichen oft ein bis zwei Pflanzen.

Funktioniert SCROG mit Autoflowern?

Nur eingeschränkt. Autoflower haben eine feste, kurze Wachstumsphase und lassen sich kaum lange genug trainieren, um ein Netz zu füllen. Sanftes Low Stress Training ist für sie meist die bessere Wahl.

Muss ich vor dem SCROG toppen?

Nein, aber es erleichtert die Arbeit. Mehrere Haupttriebe füllen das Netz schneller und gleichmäßiger als ein einzelner Stamm.

Wie hoch hänge ich das SCROG-Netz?

Als Richtwert 20 bis 40 cm über der Topfoberkante. Wichtig ist, dass nach dem Stretch noch genügend Abstand zwischen Blütenspitzen und Lampe bleibt.