Fimming ist eine Schnitttechnik, mit der du aus einem Haupttrieb mehrere gleichwertige Spitzen machst. Anders als beim Topping schneidest du die Triebspitze nicht komplett ab, sondern entfernst nur den größten Teil des jüngsten Austriebs. Aus dem verbliebenen Gewebe wachsen oft drei bis vier neue Triebe. Die Pflanze wird buschiger, das Blätterdach breiter, und am Ende stehen mehr Hauptblüten unter der Lampe. Was Fimming genau ist und woher der Name stammt, erklärt der Lexikonbeitrag Was ist Fimming bei Cannabis?.

Fimming und Topping im Vergleich #

Beide Techniken brechen die Apikaldominanz, also die Vorherrschaft des Haupttriebs. Der Unterschied liegt in Schnitt und Ergebnis.

MerkmalFimmingTopping
Schnitt70 bis 80 % des jüngsten AustriebsHaupttrieb komplett über einem Blattknoten
Neue Spitzenmeist 2 bis 4, selten mehrgenau 2
Vorhersagbarkeitgering, Ergebnis variierthoch, symmetrisch
Erholungszeitetwa 3 bis 5 Tageetwa 5 bis 7 Tage
Höhenkontrollemäßiggut
FehlertoleranzFehlschnitt führt oft zu 1 bis 2 SpitzenFehlschnitt selten

Topping ist die präzisere Methode für symmetrische Pflanzen, etwa für Mainlining. Fimming bringt mit einem Schnitt potenziell mehr Spitzen und etwas weniger Stress. Die Anleitung zur Alternative findest du unter Cannabis richtig toppen.

Der ideale Zeitpunkt #

Fimming gelingt am besten in der frühen bis mittleren Wachstumsphase:

  • Die Pflanze hat 4 bis 6 Blattknoten (Nodien) ausgebildet.
  • Sie wächst kräftig, ist sattgrün und frei von Mangelsymptomen.
  • Die Wurzeln sind gut entwickelt, die Pflanze wurde nicht gerade umgetopft.
  • Bis zur Umstellung auf die Blüte bleiben mindestens zwei Wochen, damit sich die neuen Triebe entwickeln können.

Bei Autoflowers ist Fimming möglich, aber riskanter. Wenn überhaupt, dann nur bei sehr wüchsigen Pflanzen etwa in der dritten Woche. Sanftes Biegen ist hier meist die bessere Wahl.

Das brauchst du #

  • Eine kleine, scharfe Schere oder eine Mikroschere
  • Isopropylalkohol oder Desinfektionsmittel für die Klinge
  • Gutes Licht und bei Bedarf eine Lupe
  • Eine ruhige Hand

Schritt für Schritt zum Fimming-Schnitt #

  1. Werkzeug desinfizieren

    Reinige die Schere mit Alkohol. Saubere Schnitte verringern das Risiko von Infektionen.

  2. Triebspitze finden

    Suche an der Spitze des Haupttriebs den jüngsten, noch zusammengefalteten Austrieb zwischen den obersten Blättern.

  3. Blätter zur Seite biegen

    Biege die umgebenden größeren Blätter vorsichtig weg, damit du freie Sicht auf den Austrieb hast.

  4. Schnitt ansetzen

    Schneide etwa 70 bis 80 % des jungen Austriebs ab. Rund ein Viertel des Gewebes bleibt stehen. Aus diesen Resten entstehen die neuen Triebe.

  5. Seitentriebe schonen

    Achte darauf, die kleinen Seitentriebe an den Blattachseln darunter nicht zu verletzen.

  6. Kontrollieren

    Du siehst einen kleinen, flachen Rest mit Ansätzen winziger Blätter. Mehr ist nicht nötig.

Alternativ lässt sich der Austrieb mit den Fingernägeln abknipsen. Das geht schnell, ist aber ungenauer.

Typische Schnittfehler #

  • Zu viel geschnitten: Bleibt kaum Gewebe stehen, wirkt der Schnitt wie ein Topping mit zwei neuen Spitzen.
  • Zu wenig geschnitten: Der Trieb wächst einfach weiter, eventuell mit leicht verformten Blättern.
  • Zu alter Trieb gewählt: Liegt der Schnitt zu tief im festeren Gewebe, entsteht eine Wunde ohne neue Spitzen.

Selbst erfahrene Grower erzielen nicht bei jedem Schnitt das gleiche Ergebnis. Die Streuung gehört zur Technik.

Nachsorge in den ersten Tagen #

  • Ruhe geben: In den ersten drei bis fünf Tagen keine weiteren Eingriffe, kein Umtopfen und kein starkes Training.
  • Klima stabil halten: 22 bis 26 °C und 55 bis 65 % rF in der Wachstumsphase sind gute Richtwerte.
  • Normal gießen und düngen: Kein zusätzlicher Dünger nötig, aber auch keine Pause.
  • Neue Triebe beobachten: Nach etwa einer Woche sind die neuen Spitzen deutlich erkennbar.

Nach dem Fimming weiterarbeiten #

Fimming entfaltet seine Wirkung erst in Kombination mit Training. Die neuen Spitzen wachsen oft ungleich stark. Mit Low Stress Training biegst du stärkere Triebe nach außen und unten, bis alle Spitzen etwa auf gleicher Höhe liegen.

Möglich ist auch ein zweites Fimming an den neuen Spitzen, sobald sie wieder drei bis vier Blattknoten gebildet haben. So entstehen aus einer Pflanze acht oder mehr Hauptriebe. Jede zusätzliche Runde verlängert die Wachstumsphase aber um etwa ein bis zwei Wochen.

Fimming bei Mutterpflanzen und Stecklingen #

Auch außerhalb des eigentlichen Grows ist Fimming nützlich. Bei Mutterpflanzen sorgt regelmäßiges Fimmen dafür, dass viele gleichmäßige Triebe entstehen, aus denen du später Stecklinge schneiden kannst. Die abgeschnittenen Spitzen sind dabei zu klein, um selbst bewurzelt zu werden, der Nutzen liegt allein in der Verzweigung.

Bewurzelte Stecklinge kannst du fimmen, sobald sie sichtbar neu wachsen und drei bis vier eigene Blattknoten gebildet haben. Vorher fehlt ihnen die Kraft, um schnell neu auszutreiben. Plane bei Stecklingen eine etwas längere Erholung ein als bei Pflanzen aus Samen, die schon länger im Endtopf stehen.

Häufige Fragen #

Wie lange nach dem Fimming kann ich auf Blüte umstellen?

Als Richtwert mindestens zwei Wochen. In dieser Zeit bilden die neuen Spitzen genug Blattmasse, um in der Blüte eigene Hauptblüten zu tragen. Wer früher umstellt, erhält kleinere Seitenblüten.

Wie viele Spitzen bringt Fimming?

Meist zwei bis vier, in Einzelfällen bis zu acht kleinere Triebe. Die Zahl hängt davon ab, wie viel Gewebe stehen bleibt und wie die Sorte reagiert.

Kann ich Fimming und Topping kombinieren?

Ja. Häufig wird zuerst getoppt, um zwei gleichwertige Haupttriebe zu erhalten, und später werden diese gefimmt. So entsteht ein breiter, gleichmäßiger Busch.

Was passiert, wenn der Fimming-Schnitt misslingt?

Meist nichts Schlimmes. Die Pflanze bildet dann entweder zwei Spitzen wie beim Topping oder wächst mit leicht verformten Blättern normal weiter. Du kannst später erneut toppen oder fimmen.

Ist Fimming für Anfänger geeignet?

Ja, weil es verzeihend ist und die Pflanze sich schnell erholt. Wer ein vorhersagbares Ergebnis möchte, beginnt aber besser mit Topping.