Unter fast jeder Grow-LED ist das Licht in der Mitte am stärksten. Ein Problem wird daraus, wenn der Unterschied zu groß ist: Die mittleren Triebe bekommen mehr Licht, als sie verarbeiten können, während die Pflanzen am Rand unterversorgt sind. Diesen Bereich übermäßiger Intensität nennen Grower Hotspot oder Heißpunkt. Er kostet Ertrag an beiden Enden und ist einer der häufigsten Gründe für ausgebleichte Spitzen in der Blüte.

Was ist ein Hotspot? #

Ein Hotspot ist eine Zone unter der Lampe, in der die Lichtintensität deutlich über dem Durchschnitt der restlichen Fläche liegt. Gemessen wird das als PPFD, also als Zahl der pflanzenwirksamen Photonen pro Quadratmeter und Sekunde in µmol/m²/s. Was hinter der Einheit steckt, erklärt der Lexikoneintrag PPFD.

Der Begriff „Heißpunkt“ ist etwas irreführend. Bei LEDs geht es meist nicht um Wärme, sondern um zu viel Licht auf zu kleiner Fläche. Echte Wärme spielt vor allem bei älteren, sehr kompakten LEDs und bei Natriumdampflampen eine Rolle. Die Folgen für die Pflanze ähneln sich aber: Stress, Bleiche und Wachstumseinbußen.

Woher Hotspots kommen #

  • Zu geringer Abstand: Je näher die Lampe an den Pflanzen hängt, desto stärker konzentriert sich das Licht in der Mitte.
  • Punktförmige Lichtquellen: Kompakte runde Lampen und einzelne COB-Module bündeln das Licht stärker als flächige Boards oder Leistenlampen.
  • Enge Linsen: Linsen mit kleinem Abstrahlwinkel erhöhen die Intensität unter der Lampe, beleuchten aber weniger Fläche.
  • Lampe zu klein für die Fläche: Eine kompakte Lampe mit hoher Leistung auf großer Grundfläche erzeugt ein starkes Zentrum und dunkle Ecken.
  • Ungleichmäßiges Blätterdach: Ein einzelner hoher Trieb reicht in den Hotspot hinein, auch wenn die Lampe insgesamt richtig hängt.

So erkennst du einen Hotspot #

Die Pflanzen zeigen einen Hotspot oft früher als jedes Messgerät:

SymptomWoBedeutung
gelblich-weiße, ausgebleichte Blütenspitzendirekt unter der LampenmitteLichtbleiche durch zu hohe Intensität
obere Blätter wölben sich nach oben oder falten sichZentrumSchutzreaktion gegen zu viel Licht
Aufhellung zwischen den Blattadern, knusprige Ränderoberste Blätter in der MitteLichtstress, oft mit Hitze kombiniert
lang gestreckte, lockere TriebeRand und EckenLichtmangel
deutlich kleinere Blüten am RandRand und Eckenungleichmäßige Verteilung

Wenn die Blätter in der Mitte gestresst und die am Rand gestreckt sind, ist die Verteilung das Problem, nicht die Gesamtleistung. Die Abgrenzung zum klassischen Lichtbrand und dessen Behandlung beschreibt der Beitrag Lichtbrand bei Cannabis.

Hotspot messen: Die PPFD-Karte #

Eine PPFD-Karte zeigt die Lichtverteilung schwarz auf weiß.

  1. Raster anlegen

    Teile die Grundfläche in ein Raster, etwa neun Punkte bei 60 × 60 cm oder 16 bis 25 Punkte bei 100 × 100 cm oder größer.

  2. Auf Kronenhöhe messen

    Halte den Sensor waagerecht an jeden Rasterpunkt, dort, wo die Blütenspitzen sind.

  3. Werte notieren

    Schreibe alle Messwerte in eine Skizze der Box.

  4. Gleichmäßigkeit berechnen

    Teile den niedrigsten Wert durch den Mittelwert. Werte ab etwa 0,7 gelten als ordentlich, ab 0,8 als gut gleichmäßig.

  5. Maximum prüfen

    Vergleiche den höchsten Wert mit den Zielwerten für die aktuelle Phase.

Ein PAR-Meter liefert verlässliche Werte. Smartphone-Apps mit Kamera oder Lichtsensor sind nur eine grobe Schätzung, reichen aber aus, um relative Unterschiede zwischen Mitte und Rand zu erkennen.

Zielwerte für die Lichtintensität #

PhasePPFD auf Kronenhöhe (Richtwert)
Sämlinge und Stecklinge100–300 µmol/m²/s
Vegetative Phase300–600 µmol/m²/s
Blüte600–900 µmol/m²/s
Blüte mit CO₂-Anreicherungbis etwa 1.200 µmol/m²/s

Liegt die Mitte deutlich über dem Wert für deine Phase, während die Ränder im Zielbereich sind, hast du einen Hotspot. Ohne zusätzliches CO₂ bringen Werte über etwa 1.000 µmol/m²/s in der Regel keinen Mehrertrag, sondern vor allem Stress.

Lösungen: So gleichst du die Verteilung aus #

  • Lampe höher hängen: Der einfachste Schritt. Mit mehr Abstand verteilt sich das Licht breiter, die Spitze in der Mitte sinkt. Wie du den passenden Abstand findest, zeigt die Anleitung zum LED-Abstand.
  • Dimmen und höher hängen kombinieren: Wenn die Boxhöhe begrenzt ist, lieber etwas dimmen und die Lampe so hoch wie möglich hängen.
  • Flächige Lichtquelle wählen: Leisten- und Board-Lampen, die etwa die Größe der Grundfläche abdecken, erzeugen von Natur aus kaum Hotspots.
  • Blätterdach ausgleichen: Mit LST, Topping oder einem SCROG-Netz alle Spitzen auf eine Höhe bringen. Kein Trieb sollte in den Hotspot ragen.
  • Reflektierende Wände nutzen: Weiße oder silbrig reflektierende Wände heben die Werte am Rand an.
  • Pflanzen umstellen: In der Wachstumsphase kannst du Töpfe regelmäßig drehen oder tauschen, damit keine Pflanze dauerhaft im Zentrum steht.
  • Zweite, kleinere Lampe für die Ränder: In großen Boxen kann eine Ergänzung an den Rändern die Verteilung verbessern.

Worauf du bei einer neuen Grow-LED achten kannst #

Wer eine Grow-LED für die Growbox auswählt, sollte neben der Leistung auf die Bauform und die Lichtverteilung achten. Eine Lampe, deren Grundfläche etwa der Box entspricht, verteilt das Licht meist gleichmäßiger als eine kompakte Lampe mit gleicher Leistung. Seriöse Hersteller veröffentlichen PPFD-Karten für bestimmte Aufhängehöhen; achte darauf, dass auch die Randwerte angegeben sind und nicht nur der Mittelpunkt.

Häufige Fragen #

Wie erkenne ich einen Hotspot ohne Messgerät?

Achte auf ausgebleichte, gelblich-weiße Spitzen genau unter der Lampenmitte, nach oben gewölbte Blätter im Zentrum und gleichzeitig gestreckte, lockere Triebe am Rand. Diese Kombination spricht deutlich für eine ungleichmäßige Lichtverteilung.

Entstehen Hotspots auch bei LEDs mit wenig Wärme?

Ja. Bei modernen LEDs ist meist die Lichtintensität das Problem, nicht die Wärme. Zu viel Licht auf einer kleinen Fläche verursacht Bleiche und Stress, auch wenn sich die Lampe kaum warm anfühlt.

Hilft es, die Lampe in der Blüte höher zu hängen?

Oft ja, besonders während des Stretchs, wenn die Pflanzen schnell in die Höhe wachsen. Mehr Abstand senkt die Intensität in der Mitte und verbessert die Verteilung. Prüfe danach, ob die Ränder noch genug Licht bekommen.

Ist eine Mitte mit höherer Intensität immer schlecht?

Nein. Eine leicht stärkere Mitte ist normal und unproblematisch. Kritisch wird es erst, wenn die Mitte deutlich über den Zielwert steigt oder der Rand weit darunter fällt.