Lichtbrand, im Englischen „light burn“ oder „light bleaching“, ist eine Schädigung der Pflanze durch zu viel Licht. Seit leistungsstarke LED-Growlampen Standard sind, tritt er häufiger auf als früher. Der Grund: LEDs geben wenig spürbare Wärme ab, deshalb hängen sie viele Grower zu tief. Die gute Nachricht ist, dass sich Lichtbrand fast immer vermeiden lässt, wenn du Intensität und Abstand im Griff hast.
Was beim Lichtbrand in der Pflanze passiert #
Pflanzen nutzen Licht zur Photosynthese, aber nur bis zu einer gewissen Grenze. Kommt mehr Licht an, als die Blätter verarbeiten können, entstehen in den Zellen reaktive Sauerstoffverbindungen. Diese schädigen das Chlorophyll, die Blattfarbe bleicht aus. Die Pflanze versucht sich zu schützen, indem sie die Blätter aufstellt oder einrollt, um weniger Fläche zum Licht zu zeigen.
Wie viel Licht zu viel ist, hängt von mehreren Faktoren ab: Temperatur, CO2-Gehalt, Wasser- und Nährstoffversorgung sowie Sorte. Eine gut versorgte Pflanze bei 25 °C verträgt deutlich mehr Licht als eine gestresste Pflanze bei 32 °C.
Symptome: So erkennst du Lichtbrand #
Lichtbrand zeigt sich immer dort, wo das Licht am stärksten ist, also an den obersten Blättern und Blütenspitzen direkt unter der Lampe.
- Gebleichte Blätter: Obere Blätter werden hellgrün, gelb bis fast weiß, während tiefere Blätter grün bleiben.
- Adern bleiben oft grün: Anfangs kann das Muster einem Mangel ähneln, beschränkt sich aber auf die obersten Etagen.
- Aufgestellte oder eingerollte Blätter: Blattränder biegen sich nach oben, Blätter stehen steil zum Licht.
- Trockene, knusprige Blattspitzen: In fortgeschrittenem Stadium werden Blattspitzen braun.
- Weiße Blüten in der späten Blüte: Die obersten Blüten bleichen aus, Blütenblätter und Harzdrüsen werden weißlich. Das wirkt auf den ersten Blick wie viele Trichome, ist aber geschädigtes Gewebe.
Weiße Blütenspitzen unter der Lampe sehen manchmal frostig aus, sind aber meist ausgebleicht. Diese Stellen haben typischerweise weniger Aroma. Vergleiche mit der Lupe: Echte Trichome haben einen Stiel und ein rundes Köpfchen.
Lichtbrand oder Nährstoffmangel? #
Die Verwechslung ist häufig, weil Aufhellungen auch bei Stickstoff-, Eisen- oder Magnesiummangel auftreten. Entscheidend ist, wo die Symptome sitzen.
| Merkmal | Lichtbrand | Nährstoffmangel |
|---|---|---|
| Ort | nur oben, direkt unter der Lampe | je nach Nährstoff unten (mobil) oder an Neuaustrieb (immobil), über die ganze Pflanze |
| Verteilung | folgt dem Lichtkegel, Ränder der Box weniger betroffen | unabhängig von der Position unter der Lampe |
| Muster | gleichmäßige Aufhellung, Blätter stellen sich auf | oft typische Muster, etwa Flecken, Adern-Chlorose |
| Reaktion auf höhere Lampe | Neuaustrieb bleibt grün | keine Besserung |
Ein einfacher Test: Hänge die Lampe höher oder dimme sie. Wachsen die neuen Blätter danach normal grün nach, war es Licht. Mehr zu Mangelsymptomen findest du unter Was ist Chlorose bei Pflanzen?.
Ursachen im Überblick #
- Zu geringer Abstand zwischen Lampe und Blätterdach, oft nach einem Wachstumsschub in der Stretch-Phase.
- Zu hohe Dimmstufe in frühen Phasen, etwa 100 % Leistung für Jungpflanzen.
- Einzelne hohe Triebe, die näher an der Lampe stehen als der Rest.
- Hohe Temperaturen, die die Lichttoleranz senken.
- Wechsel auf eine stärkere Lampe ohne schrittweise Anpassung.
- Hotspots direkt unter der Lampenmitte bei Lampen mit ungleichmäßiger Lichtverteilung.
Optimaler LED-Abstand #
Einen allgemeingültigen Abstand gibt es nicht, denn er hängt von Leistung, Bauform und Optik der Lampe ab. Die meisten Hersteller geben Abstände je Phase an; daran solltest du dich zuerst orientieren.
| Lampentyp | Richtwert Abstand in der Blüte bei voller Leistung |
|---|---|
| Kleine LED bis ca. 100 W | etwa 25–40 cm |
| Mittlere LED 150–300 W | etwa 30–50 cm |
| Starke LED ab ca. 400 W | etwa 40–60 cm |
Diese Werte sind grobe Anhaltspunkte. Genauer als jede Tabelle ist eine Messung der Lichtintensität am Blätterdach. Wie du den Abstand Schritt für Schritt einstellst, erklärt die Anleitung zum LED-Abstand.
PPFD-Werte beachten #
Die photosynthetische Photonenflussdichte (PPFD) gibt an, wie viel pflanzenwirksames Licht pro Quadratmeter und Sekunde auf den Blättern ankommt. Für Cannabis ohne CO2-Zugabe gelten diese Richtwerte:
| Phase | PPFD-Richtwert |
|---|---|
| Keimlinge und Stecklinge | 100–300 µmol/m²/s |
| Wachstumsphase | 300–600 µmol/m²/s |
| Blüte | 600–900 µmol/m²/s |
| Obergrenze ohne zusätzliches CO2 | etwa 900–1000 µmol/m²/s |
Oberhalb dieser Obergrenze steigt das Risiko für Lichtbrand deutlich, ohne dass der Ertrag entsprechend mitwächst. Mit zusätzlichem CO2 und optimalem Klima können höhere Werte genutzt werden, das ist im Heimanbau aber selten sinnvoll. Wie du PPFD misst, liest du im Ratgeber PPFD und PAR erklärt.
Pflanzen an mehr Licht gewöhnen #
Pflanzen können sich an höhere Lichtintensität anpassen, aber nicht über Nacht. Erhöhe die Intensität schrittweise:
Start niedrig
Nach dem Umpflanzen oder einem Lampenwechsel mit einer niedrigen Dimmstufe oder großem Abstand beginnen.
In kleinen Schritten steigern
Alle zwei bis drei Tage die Leistung um etwa 10 % erhöhen oder die Lampe um 5 cm absenken.
Blätter beobachten
Stellen sich die Blätter auf oder hellen oben auf, einen Schritt zurückgehen.
Nach dem Stretch nachjustieren
In den ersten zwei bis drei Wochen der Blüte wachsen Pflanzen stark. Kontrolliere den Abstand in dieser Zeit alle ein bis zwei Tage.
Was tun bei akutem Lichtbrand? #
Geschädigte Blätter erholen sich nicht mehr, du kannst aber weitere Schäden verhindern:
- Lampe höher hängen oder um 20 bis 30 % herunterdimmen.
- Temperatur und Luftfeuchte prüfen und in den Zielbereich bringen.
- Stark geschädigte Blätter erst entfernen, wenn sie vollständig vertrocknet sind; leicht gebleichte Blätter tragen noch zur Photosynthese bei.
- Einzelne hohe Triebe vorsichtig herunterbinden, damit das Blätterdach flacher wird.
Neue Blätter sollten nach wenigen Tagen wieder normal gefärbt nachwachsen.
Häufige Fragen #
Kann Lichtbrand auch ohne Hitze auftreten?
Ja. Lichtbrand entsteht durch zu viel Licht, nicht durch Wärme. Gerade bei LEDs ist die Temperatur am Blatt oft im grünen Bereich, während die Lichtintensität schon zu hoch ist. Hitze verstärkt das Problem aber.
Erholen sich gebleichte Blätter wieder?
Nein, ausgebleichtes Gewebe bleibt geschädigt. Wichtig ist, dass neue Blätter und Blüten wieder gesund nachwachsen.
Wie erkenne ich ohne Messgerät, ob das Licht zu stark ist?
Beobachte die obersten Blätter: Stehen sie steil nach oben, rollen sich die Ränder ein oder hellen sie auf, ist das Licht zu stark. Hängende, dunkelgrüne Blätter und lange Internodien deuten eher auf zu wenig Licht hin.
Vertragen Autoflower-Sorten weniger Licht?
Autoflower vertragen grundsätzlich ähnliche Intensitäten, laufen aber meist mit längeren Lichtphasen. Dadurch summiert sich die tägliche Lichtmenge schneller, deshalb kann eine etwas geringere Intensität sinnvoll sein.



