Wer LED-Growlampen vergleicht, stößt auf zwei Bauweisen: Panels mit vielen offenen Dioden und Lampen, bei denen jede Diode oder Diodengruppe unter einer kleinen Linse sitzt. Die Linse verändert, in welchem Winkel das Licht die Lampe verlässt. Das wirkt sich direkt darauf aus, wie viel Licht an welcher Stelle deines Blätterdachs ankommt. Hier erfährst du, was hinter Abstrahlwinkel und Optik steckt und worauf es für deinen Grow ankommt.

Was ist der Abstrahlwinkel? #

Der Abstrahlwinkel beschreibt, wie breit sich das Licht einer Lichtquelle auffächert. Üblicherweise wird er als der Winkel angegeben, innerhalb dessen die Lichtstärke mindestens die Hälfte des Maximalwerts in der Mitte erreicht.

Eine typische LED-Diode ohne Optik strahlt sehr breit ab, meist in einem Winkel um 120°. Das Licht verteilt sich also großflächig, aber ein Teil davon geht seitlich an den Pflanzen vorbei oder trifft auf die Zeltwände. Eine Linse bündelt dieses Licht auf einen engeren Winkel, zum Beispiel 60° oder 90°.

Was macht eine Linse mit dem Licht? #

Eine Linse erzeugt kein zusätzliches Licht. Sie verteilt die vorhandenen Photonen nur anders. Das hat drei Folgen:

  • Höhere Intensität unter der Lampe: Mehr Photonen landen auf einer kleineren Fläche, die PPFD in der Mitte steigt.
  • Bessere Durchdringung: Gebündeltes Licht reicht tiefer ins Blätterdach, weil es steiler einfällt und weniger stark mit der Entfernung abnimmt als breit gestreutes Licht.
  • Etwas Verlust: Jede Linse absorbiert und reflektiert einen kleinen Teil des Lichts. Die Effizienz der Lampe insgesamt kann dadurch leicht sinken, wie stark, hängt von Material und Qualität der Optik ab.

Was bedeutet das für die PPFD? #

Die PPFD (Photosynthetic Photon Flux Density) gibt an, wie viele pflanzenwirksame Photonen pro Quadratmeter und Sekunde auf einer Fläche ankommen, gemessen in µmol/m²/s. Sie hängt nicht nur von der Leistung der Lampe ab, sondern auch von Abstand und Abstrahlwinkel.

EigenschaftBreiter Winkel (ohne Linse, ca. 120°)Enger Winkel (mit Linse, z. B. 60–90°)
PPFD in der Mitteniedrigerhöher
PPFD an den Ränderngleichmäßiger verteiltfällt schneller ab
Idealer Abstandeher geringereher größer
Lichtverlust an Wändenhöher, durch reflektierende Wände teils ausgeglichengeringer
Risiko für Hotspotsgeringhöher, wenn zu tief gehängt

Die Richtung ist klar, die genauen Zahlen hängen aber von der konkreten Lampe ab. Deshalb ist eine PPFD-Karte des Herstellers für eine definierte Fläche und Höhe wertvoller als die Angabe „mit Linse“. Grundlagen zur Messung findest du unter PPFD und PAR erklärt.

Linsen und Bauformen im Überblick #

Nicht jede Optik ist gleich. Im Grow-Bereich begegnen dir vor allem diese Varianten:

  • Einzellinsen pro Diode: Typisch bei älteren Lampen mit Hochleistungs-Dioden. Sie bündeln stark und erzeugen ohne ausreichenden Abstand leicht Hotspots.
  • Linsen über COB-LEDs: Chip-on-Board-LEDs sind punktförmige, sehr helle Lichtquellen, die meist mit Reflektor oder Linse kombiniert werden, um das Licht zu lenken.
  • Offene Boards ohne Linse: Quantum Boards und Leisten-LEDs mit vielen kleinen Dioden verzichten meist auf Optiken. Sie setzen auf eine große Leuchtfläche und viele Lichtquellen, was eine gleichmäßige Verteilung ergibt.
  • Schutzabdeckungen: Manche Lampen haben eine durchsichtige Abdeckung gegen Staub und Feuchtigkeit. Das ist keine Optik im engeren Sinn, beeinflusst aber ebenfalls leicht die Lichtausbeute.

Den Unterschied zwischen COB und Boards erklärt der Vergleich COB LED vs. Quantum Board.

Wann sind Linsen im Grow sinnvoll? #

Linsen können Vorteile bringen,

  • wenn der Abstand zwischen Lampe und Blätterdach groß ist, etwa in hohen Growräumen oder bei hochgehängten Lampen,
  • wenn du gezielt eine kleine Fläche intensiv beleuchten willst,
  • bei Zusatzbeleuchtung von der Seite oder im Gewächshaus, wo Licht gerichtet ankommen soll.

Offene Dioden ohne Linse sind meist besser,

  • in typischen Growboxen mit begrenzter Höhe, wo die Lampe relativ nah an den Pflanzen hängt,
  • wenn eine gleichmäßige Ausleuchtung bis in die Ecken wichtig ist,
  • wenn du eine möglichst hohe Effizienz in µmol/J anstrebst.

Für den Heimanbau in einer Growbox mit 60 × 60 bis 120 × 120 cm hat sich die offene Bauweise weitgehend durchgesetzt. Linsen sind kein Qualitätsmerkmal an sich, sondern ein Werkzeug für bestimmte Situationen.

So nutzt du die Angaben beim Vergleich #

  1. Fläche und Höhe der PPFD-Karte prüfen

    Werte sind nur vergleichbar, wenn Fläche und Messhöhe übereinstimmen.

  2. Mittelwert und Minimum ansehen

    Ein hoher Mittenwert mit schwachen Ecken ist für ein flaches Blätterdach ungünstiger als ein etwas niedrigerer, aber gleichmäßiger Wert.

  3. Abstand anpassen

    Lampen mit Linse brauchen tendenziell mehr Abstand. Beginne mit der Herstellerangabe und beobachte die obersten Blätter.

  4. Nachmessen

    Mit einem PAR-Messgerät oder zumindest einer App-Schätzung prüfst du, ob Mitte und Ränder im Zielbereich liegen.

Häufige Fragen #

Liefert eine LED mit Linse mehr Licht?

Nein. Die Linse bündelt das vorhandene Licht nur auf eine kleinere Fläche. Die Gesamtmenge der Photonen bleibt gleich oder sinkt durch Verluste in der Optik leicht.

Welcher Abstrahlwinkel ist für eine Growbox ideal?

Für die meisten Growboxen ist eine breite Abstrahlung um 120° mit vielen verteilten Dioden gut geeignet, weil sie die Fläche gleichmäßig ausleuchtet. Engere Winkel lohnen sich eher bei großem Abstand oder gezieltem Zusatzlicht.

Kann ich Linsen nachrüsten?

Bei den meisten Grow-LEDs ist das nicht vorgesehen. Ein Umbau kann Kühlung, Schutzart und Gewährleistung beeinträchtigen. Sinnvoller ist es, Abstand und Dimmstufe anzupassen.

Was ist wichtiger: Linse oder Effizienz?

Die Effizienz in µmol/J und eine gleichmäßige PPFD-Verteilung auf deiner Fläche sind entscheidender als die Frage, ob eine Linse verbaut ist.