Wer sich mit LED-Growlampen beschäftigt, stößt schnell auf den Begriff Quantum Board. Die flachen Platinen mit vielen kleinen weißen Dioden haben ältere LED-Bauformen in Growboxen weitgehend abgelöst. Der Grund ist eine Kombination aus hoher Effizienz, gleichmäßiger Lichtverteilung und einfacher Kühlung. Perfekt für jeden Einsatz sind sie trotzdem nicht.
Die kurze Definition liefert der Lexikonartikel Was ist ein Quantum Board?. Hier geht es um die Praxis: Welche Vorteile bringt die Bauform im Grow, und wann ist eine andere Lösung sinnvoller?
Aufbau eines Quantum Boards #
Ein Quantum Board besteht im Kern aus drei Komponenten:
- Platine: eine flache Leiterplatte mit Aluminiumkern, die gleichzeitig als Träger und Wärmeverteiler dient
- Dioden: Hunderte sogenannter Mid-Power-LEDs, die dicht und gleichmäßig über die Fläche verteilt sind. Überwiegend weiße Vollspektrum-Dioden, ergänzt durch rote (etwa 660 nm) und teils Fernrot- oder UV-Dioden
- Kühlkörper: meist ein flaches Aluminiumprofil oder ein Rahmen, der die Wärme passiv an die Luft abgibt
Dazu kommt ein externes oder aufgesetztes Netzteil, das die Dioden mit konstantem Strom versorgt und häufig dimmbar ist.
Das Prinzip unterscheidet sich grundlegend von älteren Lampen mit wenigen starken Einzeldioden oder COB-LEDs (Chip on Board), bei denen die Lichtleistung auf wenige Punkte konzentriert ist. Beim Quantum Board wird die Leistung auf viele kleine Dioden verteilt, die jeweils nur mäßig belastet werden.
Die Vorteile im Grow #
Hohe Effizienz #
Mid-Power-Dioden arbeiten bei moderatem Strom sehr effizient. Hochwertige Quantum Boards mit bekannten Markendioden, etwa aus der Samsung-LM301-Reihe, erreichen häufig Werte um 2,5 bis 2,9 µmol/J. Das bedeutet: Pro Watt Strom entsteht viel Pflanzenlicht und vergleichsweise wenig Wärme.
Gleichmäßige Lichtverteilung #
Weil das Licht von einer großen Fläche ausgeht, verteilt es sich gleichmäßiger als bei punktförmigen Lichtquellen. Es gibt weniger ausgeprägte Hotspots in der Mitte, und die Ränder der Box werden besser ausgeleuchtet.
Einfache, leise Kühlung #
Die Wärme verteilt sich auf die gesamte Platine. Deshalb reicht in der Regel eine passive Kühlung ohne Lüfter. Das macht Quantum Boards leise und wartungsarm – ein Vorteil in der Wohnung.
Vollspektrum-Licht #
Die weißen Dioden liefern ein breites Spektrum, das für Wachstum und Blüte gleichermaßen geeignet ist. Zusätzliche rote Dioden unterstützen die Blüte. Du musst nicht zwischen Wachstums- und Blütelampe wechseln. Welche Rolle das Spektrum spielt, erklärt der Beitrag Full Spectrum vs. Dual Spectrum LED.
Angenehmes Arbeiten #
Das überwiegend weiße Licht lässt Pflanzen natürlich aussehen. Mängel, Schädlinge und Verfärbungen erkennst du viel leichter als unter violettem Licht älterer Blau-Rot-LEDs.
Die Grenzen #
- Ausleuchtung großer Flächen: Ein einzelnes Board strahlt die Mitte stärker aus als die Ränder. In großen, quadratischen Boxen erreichen Bar-Lampen mit mehreren Leisten oft eine gleichmäßigere Verteilung.
- Wärme an einer Stelle: Die gesamte Abwärme entsteht auf einer kompakten Fläche. Bei niedrigen Boxen staut sie sich direkt über dem Blätterdach.
- Schatten beim Durchdringen: Weil das Licht vor allem von oben kommt, erreichen tiefere Pflanzenbereiche weniger Licht als bei Leisten, die das Licht aus mehreren Winkeln einstrahlen.
- Qualitätsunterschiede: „Quantum Board“ ist ein Bauformbegriff, keine Qualitätsgarantie. Billige Boards mit unbekannten Dioden und schwachen Netzteilen erreichen deutlich schlechtere Werte.
Quantum Board, COB oder Bar-LED? #
| Bauform | Lichtverteilung | Kühlung | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| Quantum Board | gleichmäßig, Mitte etwas stärker | passiv, flacher Kühlkörper | Boxen bis etwa 100 × 100 cm |
| COB-LED | punktförmig, starke Durchdringung | aktive oder große passive Kühlkörper | ältere Setups, gezielte Spots |
| Bar-LED (Leisten) | sehr gleichmäßig über große Flächen | passiv, gute Wärmeverteilung | Boxen ab etwa 100 × 100 cm |
Den ausführlichen Vergleich zwischen punktförmigen und flächigen Bauformen liefert der Beitrag COB LED vs. Quantum Board.
Worauf du bei der Auswahl achten solltest #
Leistungsaufnahme statt Werbewatt
Entscheidend ist die tatsächliche Wattzahl aus der Steckdose, nicht eine „entspricht“-Angabe.
Effizienz in µmol/J
Seriöse Hersteller geben die Effizienz der gesamten Lampe an. Werte ab etwa 2,5 µmol/J gelten als gut.
PPFD-Karte
Eine Messkarte zeigt, wie viel Licht in welcher Höhe an welcher Stelle ankommt. Achte auf die Werte an den Rändern, nicht nur in der Mitte.
Netzteil
Ein Markennetzteil mit Dimmfunktion ist langlebiger und erlaubt eine Anpassung an die Wachstumsphase.
Größe passend zur Box
Die Boardfläche sollte zur Grundfläche der Box passen. Für 60 × 60 cm reicht ein kleineres Board, für 100 × 100 cm eher ein großes Board oder zwei kleinere.
Verarbeitung
Solider Kühlkörper, sauber verlötete Dioden und ein Schutz gegen Feuchtigkeit sprechen für Langlebigkeit.
Richtig aufhängen #
Quantum Boards werden meist näher an die Pflanzen gehängt als ältere Lampen. Als grobe Orientierung gelten bei voller Leistung etwa 30 bis 50 cm Abstand zum Blätterdach, bei Sämlingen mehr oder mit stark gedimmter Lampe. Maßgeblich sind immer die Herstellerangaben und die Reaktion der Pflanzen. Wie du den Abstand Schritt für Schritt einstellst, zeigt die Anleitung: LED-Abstand optimal einstellen.
In rechteckigen Boxen oder bei ungleichmäßigem Pflanzenstand verteilen zwei kleinere Boards das Licht oft gleichmäßiger als ein großes. Außerdem kannst du sie getrennt dimmen oder unterschiedlich hoch hängen.
Häufige Fragen #
Ist ein Quantum Board gut für Anfänger?
Ja. Quantum Boards sind einfach aufzuhängen, leise, effizient und decken mit ihrem Vollspektrum alle Phasen ab. Für Boxen bis etwa 100 × 100 cm sind sie eine der unkompliziertesten Lösungen.
Brauchen Quantum Boards einen Lüfter?
In der Regel nicht. Die Wärme verteilt sich über die Platine und den Kühlkörper und wird passiv abgegeben. Wichtig ist eine funktionierende Abluft in der Box, damit sich die Wärme nicht staut.
Welche Größe brauche ich für meine Growbox?
Das hängt von Fläche und Effizienz ab. Als grobe Faustregel gelten in der Blüte etwa 300 bis 450 W tatsächliche Leistungsaufnahme pro Quadratmeter bei effizienten LEDs. Für eine 60 × 60 cm Box sind das etwa 100 bis 160 W.
Sind Quantum Boards besser als Bar-LEDs?
Nicht grundsätzlich. In kleinen und mittleren Boxen sind Quantum Boards kompakt und effizient. In großen Boxen ab etwa 100 × 100 cm verteilen Bar-LEDs das Licht meist gleichmäßiger.



